Verbindend mit kindlichem Jammern umgehen

Es ist Urlaubszeit. Und in den Elternforen häufen sich die Threads von erschöpften Eltern, deren Kinder sich schlecht verhalten, den ganzen Tag meckern oder jammern. Gerade dauerhaft jammernden, ningelnden, nölenden und quengelnden Kinder scheinen ihre Eltern in den Wahnsinn zu treiben. Und das meine ich ganz wörtlich. Irgendetwas scheint dieser Tonfall an sich zu haben, dass wirklich etwas in Eltern ausklinkt. Ich kann das von mir auf jeden Fall so berichten und konnte mich immer sehr gut in Menschen einfühlen, die hier die Nerven verloren haben.

Erstaunlicherweise scheinen aber alle kleinen Kinder irgendwann (und auch mehrmals in den ersten Jahren) wochenlange Jammerphasen zu haben. Der eine mehr, der andere weniger ausgeprägt. Was hat es also damit auf sich?

Und warum möchte ich über das kindliche Jammern und den elterlichen Umgang damit direkt nach meinem Artikel über „Bedürfnisse und Sattsein“ schreiben? Wie hängt das miteinander zusammen?

Gängige Ratschläge wenn Kinder jammern

Das liegt zum einen an den gängigen Ratschlägen im Umgang mit kindlichem Jammern.
Machen Sie Ihrem Kind klar, dass Sie sich sein Gejammer nicht mehr länger anhören werden. Hört es trotzdem nicht damit auf, dann bitten Sie es, den Raum so lange zu verlassen, bis es wieder mit normaler Stimme mit Ihnen sprechen kann. Vielleicht bemerken Sie, dass Sie sich angewöhnt haben, seine Probleme zu lösen, wenn es Ihnen etwas vorjammert. Falls dem so ist, lassen Sie es seine Probleme alleine lösen oder bieten Sie ihm an, mit ihm über das Problem zu sprechen, sobald es mit dem Jammern aufgehört hat.“

Oder:

Kinder müssten lernen, ein „Nein“ zu akzeptieren. Geben die Eltern nach, können sie sich darauf einstellen, am nächsten Abend die gleiche Diskussion führen zu müssen. „Werden Kinder für ihr Quengeln belohnt, besteht langfristig die Gefahr, dass sie in eine richtige ‚Quengelkarriere‘ hineinwachsen“, warnt Eva Rhode.“

Diese Ratschläge sind das Gegenteil davon, ein Kind emotional zu nähren und es wirklich satt werden zu lassen. Bei manchen Kindern wird sich das Verhalten dadurch eher noch verschlimmern. Manche jammern noch länger und noch nachdrücklicher. Manche Kinder unterdrücken ihr Jammern und ziehen sich emotional zurück. Die Kinder erfahren: „Wenn ich jammere, werde ich nicht geliebt.“

Dabei klassifiziert das Kind selbst das, was es tut, erst einmal gar nicht als „jammern“. Es zeigt uns, wie es ihm geht, wie überfordert es sich fühlt, wie krass sich alles gerade anfühlt und dass es selbst nicht weiß, wie es da heraus kommt. Das Benennen und Abwerten als „Jammern“ kommt ja von uns, den Erwachsenen, die durch diesen Tonfall massiv innerlich berührt werden und einen sofortigen, fast körperlichen Drang in uns fühlen, diese Geräusche einfach abzustellen.

Das liegt zum anderen an unserer eigenen Tankanzeige bezüglich unserer Bedürfnisse und UNSERES Sattseins, die aus Kindheitstagen noch auf nahezu Null steht. Hier können wir am eigenen Leib die Studienergebnisse der Neuropsychologie erfahren:
Empathie lernt man dadurch, dass man sie selbst erfahren hat. 
Wir sind schlicht und einfach nicht zur Empathiefähigkeit erzogen worden beziehungsweise ein Teil unserer Empathiefähigkeit wurde uns „abtrainiert“ dadurch, dass wir keine Empathie erfahren durften. Im Gegenteil: Unsere eigene unbeantwortete Not wird durch das Jammern und Quengeln unserer Kinder berührt. Und das ist zumindest für einen Teil unseres innerlichen Drucks verantwortlich.

 

Warum jammern Kinder eigentlich?

Natürlich können einfach ganz banale Gründe wie Hunger, Durst, Pipi, müde oder beginnendes Kranksein für Jammern verantwortlich sein und es macht sicherlich immer Sinn die Phasen des Jammerns in den Kontext des Tages zu stellen.

Wenn das Kind jedoch schon über längere Zeit die meiste Zeit des Tages jammert, wie viele Eltern das phasenweise berichten, dann wird das schwerlich der Grund sein.
Das Internet gibt uns auf diese Frage des periodischen Jammerns keine befriedigende Antwort. Das Kind wolle Aufmerksamkeit ist eine Erklärung und die Eltern seien so oft positiv auf das Jammern eingegangen und gleichzeitig weniger aufmerksam auf fröhliche Phasen, so dass das Kind gelernt habe, dass es mit seinem Jammern Aufmerksamkeit bekommt. Joa, kann sein, ist aber bestimmt nicht die Regel. Und selbst wenn kann es ja keine gute Lösung sein, dass auf das Jammern nun nicht mehr positiv sondern negativ reagiert wird oder gar nicht. Vor allem, wo auch das das Phänomen des Jammerns nicht zu verändern scheint. Denn in ihrer Verzweiflung geraten auch viele AP-Eltern oft auf diesen Weg.
(Wenn ein Kind etwas tut, „nur“ um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen, habe ich dazu ja eh eine vom Mainstream abweichende Meinung.)

Erinnert ihr euch noch an eure Pubertät? Also, ich kann mich zumindest an das beständige Gefühl erinnern, dass alles falsch ist, sich falsch anfühlt und diese ständig schwelende Wut in mir. Alles war so unfassbar fragil.
Wenn ich beobachte, wann Kinder viel Jammern, dann ist das ebenfalls immer in Entwicklungsschüben; beispielsweise in den verschiedenen Fremdel- und Ablösephasen.

Und im Grunde genommen ist die ganze Kindheit und erst recht die Kleinkindzeit eine einzige Aneinanderreihung von Entwicklungsschüben, in denen sich immer wieder die komplette Sicht auf die Welt verändert.

Das „Mond-kaputt“-Phänomen

Eine gute Freundin hatte ein Kind, das eine Zeitlang herzzerreißend weinte und jammerte, wenn der „Mond kaputt“ war, also bei allem anderen als Vollmond. Meine Freundin sollte ihn wieder heile machen. Die vermeintliche Absurdität des kindlichen Wunsches hat mir geholfen, zu erkennen, dass Jammern sowohl Ausdruck des inneren Unwohlseins ist als auch eines grenzenlosen Vertrauens in unsere elterlichen Fähigkeiten.
Kleine Kinder GLAUBEN wirklich, dass wir den Mond wieder ganz machen könnten, wenn wir nur wollten!
Ich finde, dass das ein wichtiger Schlüssel ist, um die Intensität des kindlichen Jammerns zu verstehen und auch warum sie nur bei uns jammern und nicht bei jedem anderen in der Familie. Unsere Kinder nehmen an, dass wir alles wieder gut machen KÖNNTEN, wenn wir nur wollten! Ebenso nehmen sie an, dass wir ganz GENAU WISSEN, wie sie sich fühlen, denn sie verstehen noch nicht vollumfänglich, dass wir Menschen leider nur grobe Ahnungen davon haben, was in unserem Gegenüber vorgeht. Zu erfahren, dass unsere Eltern nicht allmächtig, ja nicht einmal allwissend sind, ist eine riesige (und nötige) Ent-Täuschung in einem jedem Leben. Und sie sucht auch uns Erwachsenen immer noch heim. Wie oft wünschen wir uns heute noch von unserem Partner, dass er errät, was wir brauchen?
Für kleine Kinder ist diese Erkenntnis allerdings noch eine ordentliche Spur härter. Nicht nur sind sie vollständig abhängig von uns und unseren Entscheidungen, sondern sie haben auch noch kein eigenes, ausgebildetes Selbst, auf das sie zurückgreifen können. Zudem gibt es noch keine Unterscheidung zwischen dem Selbst und den Dingen an einem dran. Das zweite Eis, das im Kopf des Kindes quasi schon gegessen ist, gehört in dem Moment ZU dem kindlichen Selbstbild und das Nein der Eltern fühlt sich nicht zuletzt deshalb wie eine Ablehnung des Kindes an. Und nicht zuletzt fehlen einem kleinen Kind natürlich sowohl die sprachlichen als auch die reflexiven Mittel, um selbst zu verstehen und es uns mitzuteilen, was gerade in ihm vorgeht. Es fühlt sich alles einfach nur falsch an! (Und das hat nichts damit zu tun, dass ihr als Eltern irgendetwas falsch gemacht habt. Die INNENwelt ist „kaputt“ und deshalb passt auch nichts in der Außenwelt.)

Überlegt einmal, wann ihr selbst in einen Modus kommt, in dem ihr gerne Jammern möchtet.
(Und beachtet dabei, dass konstantes herum meckern an den Kindern die erwachsene Version des Jammerns ist.)
Was braucht ihr, um es tun zu können? Ich habe herausgefunden, dass ich auf jeden Fall einen geschützten Raum brauche. Ich würde nicht meinen Chef anjammern. Ich brauche dafür einen Menschen, der MIR wirklich etwas bedeutet und ich suche mir HEUTE auch nur Menschen dafür aus, denen ICH wirklich etwas bedeute und denen ich sagen kann, dass ich gerade einfach mal alles rauslassen muss, was sich in mir angestaut hat.

Denn ich glaube, dass Jammern eine Reaktion von absoluter innerer Überforderung ist. Ja, und dafür braucht es in manchen Phasen nicht viel. Die Kinder sind schon so mit ihren eigenen Wachstumsprozessen beschäftigt, dass kaum Energie für soziale Prozesse bleibt. Geschweige denn für einen stressigen Kindergarten-Alltag oder die Umstellung auf eine völlig neue Urlaubsumgebung und ständigem Anpassen an die Wünsche der Erwachsenen. Insgesamt bietet das Leben unserer Kinder zumeist wenig Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten und eher selten die Chance der intensiven Co-Regulation durch eine enge Bezugsperson, die ein Kind in solchen emotionalen Sturmzeiten dringend bräuchte. Stattdessen überlegen Eltern wie auch Erzieher aufgrund ihrer eigenen Überforderung eher, ob sie nicht „härter durchgreifen“ müssten oder erhöhen den kindlichen Stresspegel durch Ignorieren.

Was unsere Kinder uns sagen wollen

Jammern ist eine Botschaft:
„Mama, meine Welt ist gerade irgendwie kaputt. Alles fühlt sich komisch und falsch an. So komisch, dass ich gerade schon morgens anfange zu jammern und dass ich ständig ein Eis will, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass das wenigstens ein bisschen hilft.
Irgendwas ist in meinem Kopf gerade seltsam und nichts passt so richtig zusammen. Und ich spüre, dass ich ein Ich bin und du ein Du und dass wir gar nicht eins sind. Du willst so oft etwas anderes als ich und ich will losgehen und alles entdecken. Aber dass ich nicht in dich hineinkriechen kann und dass ich nicht verstehe, wann wir „eins“ sind und wann nicht, macht mir große Angst. Und für mich fühlt es sich so an, als WILLST du mich nicht verstehen.
Wenn ich jammere, lege ich dir meine komische Welt zu Füßen. Ich will, dass du sie wieder heil machst. Gerade will ich sie so nicht haben. Und ich ertrage kein Nein, weil ich schon so unglaublich angespannt bin und mich gerade permanent überfordert fühle. Ich brauche gerade nichts als Liebe, Zeit und Geduld. Ich brauche, dass du mir zuhörst, mich sein lässt und mich immer wieder in den Arm nimmst. Keine Erziehung.“

Wie wurde früher in deiner Kindheit wohl auf dein Jammern reagiert? Welche alten verletzten Gefühle werden beim Jammern deines Kindes da in dir berührt? Was hättest du wohl gebraucht? Kannst du dein eigenes inneres Kind durch deine Reaktion bei deinem Kind ein bisschen in den Arm nehmen und heilen? Dein Kind braucht jedenfalls deine Aufmerksamkeit und deine Liebe, gerade WEIL es jammert.

Okay, das Kind jammert – und jetzt?

Es geht also wirklich nicht darum, ob dein Kind beispielsweise noch ein Eis bekommt oder nicht, sondern darum mit ihm präsent zu sein, gerade WEIL es weint. Stell dich dem Jammern nicht mehr entgegen, sondern – dreh dich um. Versuche es anzunehmen. Deine innere Haltung ist wichtig.
(Wobei es auch niemals schadet, seine eigene Haltung beispielsweise zum Eis zu überdenken oder eine gesunde Alternative zu überlegen, von der das Kind unbegrenzt essen könnte. Remember: Alles, was JETZT gut für euch ist, kann morgen nicht schlecht sein, selbst wenn ihr dann eine andere Entscheidung trefft.)

Und es ist gefährlich für eure Gefühls-Spirale, wenn dein Kind merkt, dass seine Gefühle dir zu groß sind und dass du damit nicht umgehen kannst. Das verstärkt seine Einsamkeit in dieser Autonomie-Ablösungsphase noch zusätzlich. Natürlich ist die vom Kind initiiert und notwendig, aber Loslösung ist auch immer mit IMMENSEN Ängsten verbunden, was jeder von uns weiß, der mal sein „Nest“ verlassen hat für neue Erfahrungen. Und manchmal überrollen sie einen und man wünscht sich zurückkehren zu können.

Mir ging es so mit vielen Themen mit denen ich in Berührung gekommen bin, die Lebensentscheidungen von mir gefordert haben. Tiere essen, Plastik nutzen, aber natürlich auch Partnerschaften, berufliche Dinge etc.. Wie oft habe ich mir gewünscht, die Zeit wieder zurückdrehen zu können und manche Dinge nicht zu wissen und mich vor einer Entscheidung oder einem Weg drücken zu können.
Genauso kämpfen im Kind der Wunsch überspitzt gesagt in den Mutterschoß zurückzukehren und andererseits seine Welt in Beschlag zu nehmen. Und das fühlt sich manchmal existentiell bedrohlich an.

Lernt mit weitem Herzen zuzuhören

Was hilfreich sein kann, ist sich im „Aktiven Zuhören“ zu üben. Versucht einen Raum in euch zu schaffen, in dem die Gefühle eurer Kinder durch euch durchfließen können und ihr sie einfach nur da sein lässt. Hört auf von euch zu erwarten, eine Lösung zu finden, die das Kind glücklich macht, oder überhaupt irgendeine Lösung zu haben, sondern versucht das Jammern als Gesprächsauftakt zu sehen und haltet es am Laufen. Das geht am ehesten mit auffordernden Lauten, mitfühlenden Geräuschen und dem Wiedergeben von dem, was man verstanden hat. Worte wie „Ach!“ „Oh mann!“ „So schlimm?“ „Hmmmm….“

Hierzu haben Katia Seide und Danielle Graf vom Wunschkind-Blog einen wundervollen und berührenden Beitrag geschrieben.

Lasst das Erklären sein

Einmal erklären reicht. Was man oft hören kann, ist das Eltern versuchen das Jammern ihrer Kinder weg zu erklären. Und zwar meist in einem immer ungeduldiger werdenden Tonfall.

Auch die elterliche Fähigkeit sich nicht von dem gesagten Inhalt in den Gesprächsstrudel ziehen zu lassen, sondern auf die Gefühls- oder Bedürfnisbotschaft DAHINTER zu hören, ist Gold wert.

Beispielsweise: „Nie darf ich Eis!!!“

Häufig reagieren Eltern dann in etwa so: „Aber das stimmt doch gar nicht. Du hattest doch erst gestern Eis.“

Oder um es plakativer zu machen:

„Du sagst immer Nein!“
„Nein. Das stimmt doch gar nicht, was du sagst!“

Schwupps – und schon wieder haben wir „Nein“ zu der Wahrnehmung unseres Kindes gesagt.

Wenn wir defensiv reagieren, empfindet unser Kind das als Ablehnung dessen, was er uns gesagt hat. Wir kennen das vielleicht selbst, wenn unser Partner abstreitet, was wir ihm vorwerfen. Es geht gar nicht darum, dass er unsere Beschuldigungen zu hundert Prozent annimmt und sich selbst geißelt, sondern es geht darum, dass er VERSTEHT, was sein Verhalten für uns bedeutet, wie wir uns fühlen und was wir brauchen. Oder das wir zumindest das Gefühl bekommen, dass er es verstehen MÖCHTE.

Leider geraten wir hier oft mit unserem eigenen Wunsch in Not, von unserem Kind als „gute Mutter“ oder als „guter Vater“ gesehen zu werden. Aber die kindliche und die elterliche Sichtweise, was gute Eltern ausmacht, unterscheiden sich halt manchmal um… sagen wir mal… ein paar Mü.

Wir können es uns allerdings ein Stückchen einfacher machen, wenn wir unsere Kommunikation etwas verändern.

Ja-Botschaften und weniger „Abers“

Nehmen wir einmal an, unser Kind fragt uns, ob es was Süßes darf. Euch ist es wichtig, dass es erst zu Abend isst.
Wenn wir nun sagen: „Nein, es gibt erst nach dem Abendessen was. Das weißt du doch!“ ernten wir Geschrei. Wir selbst sind in einer ablehnenden Haltung und das Kind empfindet unsere Worte auch als Ablehnung. Und zwar nicht nur die Ablehnung seines Wunsches, sondern auch Abwertung und Enttäuschung, dass er überhaupt fragt. Also im Grunde, Ablehnung seiner selbst. Wir ernten Geschrei.

Ein bisschen besser läuft es vielleicht, wenn wir folgendes sagen:
„Ja, kannst du, aber erst nach dem Abendessen.“ Erst sagen wir „Ja“, dann sagen wir „aber“. Das fühlt sich immer noch nach einer Ablehnung an, wenn auch vielleicht nicht mehr nach so einer harten.

Wenn wir Verständnis für den Wunsch unseres Kindes haben UND unsere Verantwortung ernst nehmen wollen, unser Kind gesund zu ernähren, dann sieht eine respektvolle, verbindende Antwort beispielsweise so aus: „Gerne. Magst du dir schon mal etwas aussuchen? Dann können wir das schon mal an deinen Platz legen UND direkt nach dem Abendessen kannst du es dann essen.“ Das Kind wird nicht für seinen Wunsch abgewertet. Es darf mit seiner Vorfreude schon mal etwas machen (für viele Kinder ist es einfach schon toll in der Süßigkeitenkiste zu wühlen).
Natürlich wird es auch immer wieder passieren, dass das Kind dann beginnt zu rufen: „Ich will aber JETZT!“ Darauf können wir verbindend eingehen, in dem wir wieder „aktiv zuhören“: „Ach, du willst die Süßigkeiten SOFORT haben? Ist das schon ganz fest in deinem Kopf? Hm, das habe ich nicht gewusst. Schau mal, ich habe jetzt schon angefangen das Abendessen zu richten und mir ist es wichtig, dass du erst etwas davon isst. Was könnte denn hier eine gute Lösung sein? Hast du eine Idee?“
Vielleicht kann dann eine Süßigkeit vorab gegessen werden und der Rest als Nachtisch. Oder aber das Kind sortiert die Süßigkeiten nach Farben oder Beliebtheitsgrad (keine Ahnung, was das bei Kindern ist, aber selbst mein Elfjähriger hat noch das Bock mir alle seine Pokemonkarten nach Beliebtheit zu präsentieren). Oder man gibt schon mal einen Preview-Snack aufs Abendessen, damit die Wartezeit besser auszuhalten ist. Oder singt ein Hunger-Lied… Die Möglichkeiten sind ENDLOS.

Und darum geht es: Jammern und Quengeln hat viel mit der gefühlten Wahl-Losigkeit zu tun und dem Gefühl, nichts TUN zu können. Wir können unserem Kind helfen zu erfahren, dass wir selbst in Situationen etwas tun können, in denen Dinge nicht so laufen, wie wir uns das zuerst vorgestellt haben.

Wie wäre es damit selbst einmal zu jammern?

Als Erwachsener kann man das ja vorher ankündigen, dass der Dampfkochtopf jetzt kurz vorm Überlaufen ist und dass man deswegen jetzt auch mal über alles jammern wird, was einem selbst gerade zu viel ist. Wichtig ist natürlich dabei, dass das Kind weder eine Verantwortung dafür bekommt, einem zuzuhören, noch dafür, etwas zu tun, dass es einem besser geht. Jammern dürfen und vielleicht dann auch liebevoll tröstend mit sich selbst sprechen ist etwas, das WIR FÜR UNS SELBST tun dürfen.

Das kann uns gut tun. Es kann aber auch lustig werden, wenn wir in einen Jammer-Contest einsteigen, mit jaulender Stimme und richtig schön überzogen. Aber Vorsicht: Unser Kind darf natürlich nicht das Gefühl bekommen, dass wir uns über es lustig machen.
Wenn unser Kind jedoch jammern darf und wir uns erlauben zu jammern, dann kann etwas Schönes daraus entstehen.

Jammer-Pausen

Anstatt das Jammern ständig zu thematisieren und darüber zu jammern…äh…schimpfen…äh…zu Recht zu beschweren, können wir Eltern – neben ganz viel Liebe und Zuhören – auch auf andere Weise aus dem Jammer-Karussell aussteigen. In dem wir das Jammer-Monster wegsingen und wegtanzen zum Beispiel. Oder es mit Seifenblasen vertreiben. Oder einen Anti-Jammer-Beat auf der Kinder-Trommel erfinden. Oder oder oder… Der leider vorletzte Woche verstorbene Jesper Juul (möge er in Frieden ruhen!) hat immer wieder betont, dass die Verantwortung für die Stimmung innerhalb der Familie JEDERZEIT bei den Eltern liegt. Das ist unfair und kommt uns oft viel zu groß vor (wieder was für den Jammer-Contest), ist aber so.
WIR sind erwachsen und WIR können uns ganz bewusst dazu entscheiden, die Jammer-Brille auszuziehen und unser Kind (und uns selbst) nehmen, wie es gerade ist und sein kann. Das ist sicherlich die nachhaltigste Methode, dass das Jammern, Nörgeln und Ningeln bald wieder von etwas anderem abgelöst werden kann, da gleichzeitig der kindliche Liebestank gefüllt wird und Strategien vorgelebt werden, mit inneren Spannungszuständen positiv umzugehen.
Indem wir uns ständig auf den Standpunkt versteifen, dass Jammern etwas Schlechtes ist und dass es doch anders sein sollte und wie es denn anders sein könnte und so weiter und so fort, bewegen wir uns selbst ebenso geistig schwerfällig wie unser Kleinkind. Das ist wie gesagt verständlich bei unserem inneren Stress-Level, aber hinderlich dabei, einen guten Weg mit unserem Kind zu finden und es anzunehmen, wie es ist.

Wenn ihr Euch und Euer Kind nicht mehr klar sehen könnt

Manchmal braucht man selbst allerdings auch Hilfe, um Situationen zu verstehen, zu akzeptieren und wieder neue Handlungsspielräume zu fühlen. Es kann extrem entlastend sein mit jemand anderem seine persönliche Lebenslage, wie man selbst und die Kinder ticken und was man braucht, zu besprechen und das Gefühl zu haben, nicht alles alleine machen zu müssen.
Wenn ihr das Gefühl habt, dass euch das gut täte, schreibt mich gerne an oder vereinbart telefonisch einen Beratungstermin mit mir. Das Vorgespräch ist immer kostenfrei und unverbindlich, damit wir uns gegenseitig „beschnuppern“ können. Ein Beratungsgespräch ist auch per Video-Chat oder Telefon möglich, falls ihr nicht in Köln und Umgebung wohnt.

In das Wohlbefinden seiner Familie und in das positivere Erleben des Alltags zu investieren lohnt sich immer – für eure Kind UND für euch selbst!

Shares:


Kostenloses Kennenlern-Gespräch

Mein Beitrag hat Sie berührt? Sie möchten gerne über IHRE Familiensituation sprechen?

Tragen Sie sich hier für ein kostenloses Telefonat zum Kennenlernen ein.

Ich freue mich auf Sie!

Mit dem Ausfüllen des Kontaktformulars erklären Sie sich mit meinen AGBs und den dort stehenden Hinweisen zur DGSVO einverstanden.
http://familienbegleitung-koeln.de/impressum/

 


 

Natascha Makoschey (Baujahr 1983) hat einen 9-jährigen Sohn und arbeitet als Kinderkrankenschwester in der Geburtshilfe. Wenn sie nicht gerade Bücher liest, zwangsweise Uno spielt oder darüber nachdenken muss, welchen Pokémon sie am liebsten mag, dann quatscht, strickt oder singt sie.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.