Verbindung

In der letzten Ausgabe des Unerzogen-Magazins habe ich über die Schwierigkeit geschrieben, sich im Leben mit Kindern als Paar nicht aus den Augen zu verlieren. Wie leicht es passiert, dass Paare immer mehr aneinander vorbei oder sogar gegeneinander leben. In diesem Artikel soll es nun um praktische Ideen für den Alltag gehen. Wie können Partner einander im oft stressigen Alltag mit Kindern wirklich sehen? Sich nahe sein, obwohl so vieles anders ist als sie es haben möchten? Viele meiner Gedanken wirken auf den ersten Blick vielleicht banal. Bei genauerem Hinsehen bergen sie aber doch so manche Herausforderung in sich.

Seinen Partner wirklich wahrzunehmen und zu versuchen ihm immer wieder wirklich zu begegnen, kostet Achtsamkeit auf der einen und Überwindung auf der anderen Seite. Vielen Paaren hilft es, gemeinsam zu überlegen, welche Inseln sie sich schaffen möchten und wann und in welcher Art sie sich auf diese zurückziehen. Die Regelmäßigkeit kann bei der Etablierung helfen, bis sich der neue Umgang ganz natürlich anfühlt.

(Diesen Artikel durfte ich für das Unerzogen-Magazin schreiben. Weitere Infos zum Magazin und zur aktuellen Ausgabe hier.)

Wenn Frauen Mütter werden, bringen die Kinder in vielen von ihnen das Beste zum Vorschein. Viele Mütter machen sich auf die Reise, um alte Werte hinter sich zu lassen.  Allerdings können sie auch zu „Löwen-Mamas“ werden, wenn andere Menschen abweichende Vorstellungen haben. Ist dieser „Andere“ der Vater der Kinder beginnt in vielen Familien ein Kampf um „Richtig“ und „Falsch“. Es gibt keine Gewinner, wenn die Annahme es „aber besser zu machen“ nicht losgelassen wird.

Als ich vor neun Jahren mit meinem Sohn schwanger wurde, war klar, dass ich ihn allein würde großziehen müssen. Von meiner Umgebung wurde ich für diesen Umstand oft bemitleidet. Ich selbst habe das in den seltensten Fällen nachvollziehen können. Zumindest habe ich mir nicht mehr oder weniger einen Partner gewünscht als zu dem Zeitpunkt, bevor ich Mutter wurde. Meine Sehnsucht nach einer Beziehung war völlig losgelöst von meiner Mutterschaft, die ich bis heute genieße.

Oft hatte ich gar das Gefühl, dass es mir „besser“ ging als vielen Paaren. Ehrlicherweise war ein Faktor dafür folgender: Ich musste meine Elternschaft nicht teilen. Konnte alles so machen, wie ich es für richtig hielt. Das begann beim ausgefallenen Vornamen meines Sohnes und ging dann mit meiner Auseinandersetzung mit Erziehungsfreiheit weiter. Ich konnte die Gedanken zum Aufwachsen in Freiheit und bedingungsloser Annahme aufnehmen, mit ihnen jonglieren und langsam begreifen: „Ups, da geht es gar nicht nur um mein Kind. Da geht es ja um alle Menschen!“

In meinem letzten Artikel über die Abgrenzung von den eigenen Eltern habe ich beschrieben, wie das eigene verletzte Kind immer mit diskutiert und gleichermaßen die Verantwortung (NICHT Schuld oder Versagen!) für unversöhnliche Auseinandersetzungen trägt. Wir können unsere Eltern nicht ändern (auch wenn es das für uns so viel einfacher und angenehmer im besten aller Sinne machen würde), aber wir können Verantwortung für unsere Haltung unseren Eltern gegenüber übernehmen und eine erwachsene Position einnehmen.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

Eine Mutter ist bei ihren Eltern zu Besuch. Das Baby auf ihrem Arm lässt sich aufgrund der ungewohnten Umgebung nicht in den Schlaf tragen oder stillen. Die Eltern (oder ein Elternteil) schauen sich das eine Zeit lang an und schlagen dann vor, dass die Mutter das Kind ins Gästebett legen soll und sich ausweinen lassen solle. Vielleicht kommt auch noch ein Hinweis, dass sie das Baby sowieso „total verwöhnen“.

Wenn das verletzte innere Kind der Mutter nun mit einsteigt, dann wird eine harte Abwehrreaktion erfolgen. Etwas wie: „Das ist ja unmenschlich! Habt ihr bei mir nicht genügend angerichtet? Es hat schlimme seelische Folgen ein Kind in Not alleine zu lassen! Haltet euch da raus! Mit euren veralteten, grausamen Erziehungsmethoden möchte ich nichts zu tun haben!“

Damit macht man in wenigen Sätzen klar:

 

„So, wie ihr es gemacht habt, war es falsch.“

Und: Ihr habt hier nichts zu kamellen. Euer Rat ist nicht erwünscht.

Nun ist der Aufbaukurs vorbei. Unfassbar, wie schnell drei Tage vergehen können und wie schnell es sich völlig normal anfühlte jeden Morgen dort hin zu fahren.

Ich bin ganz beseelt von der warmherzigen Atmosphäre dort. Alle hörten einander zu – selbst ich alte Schnabbeltante bin anderen nicht dauernd ins Wort gefallen. Jeder Mutter und jeder Sichtweise wurde großen Respekt entgegen gebracht. Das war absoluter Balsam für die Seele.
Aber dies ist natürlich Nicola Schmidts und Liane Emmersbergers Vorbild, ihrer guten Vorbereitung, ihrer Liebe und ihrem Einfühlungsvermögen zu verdanken. Ich habe viel beobachten dürfen, was mich für meine eigenen Kurse inspiriert hat.


Kinästhetik – Wie man Säuglinge (und sich selbst) achtsam bewegt und ihre Umgebung bedürfnisorientiert gestaltet

Ein großer Themenkomplex des Kurses war das sogenannte Kinaesthetic Infant Handling.  Liane Emmersberger ist Trainerin bei der Deutschen Gesellschaft für Kinästhetik und Kommukuation e.V. und hat uns an ihrem umfangreichen Wissen teilhaben lassen.
Bei Kinästhetik  handelt es sich um achtsame Berührung und Bewegung. Sie wird insbesondere in der Pflege von Früh- und Neugeborenen und Menschen mit körperlichen oder motorischen Einschränkungen angewendet. Es wäre aber durchaus wünschenswert, wenn einige Grundlagen auch den Eltern Zuhause bekannt wären.
So kann man ganz alltägliche Aktivitäten wie beispielsweise Wickeln so gestalten, dass das Kind sich viel wohler fühlt, aktiv mit einbezogen wird und durch Nutzung von Bewegungsmustern, die das Säuglingsgehirn nachvollziehen kann und die seinen motorischen Entwicklungschritten entsprechen, die Beweglichkeit aktiv fördern. Ebenfalls ist es ein großes Anliegen die Umgebung den Bedürfnissen der Kinder entsprechend zu gestalten und die Bemühungen der Kinder sitzen, krabbeln und stehen zu lernen, auf eine hilfreiche Art zu unterstützen. Leider sind hierzulande viele Bewegungsspiele beliebt, die ungute Muster im Kind fördern – wie zum Beispiel, dass das Kind sich an den Armen der Eltern zum Sitzen hochzieht. Dies könnte man – vorausgesetzt, es würde einem gezeigt werden, wie es geht – in einer anderen Weise viel förderlicher für das Kind unterstützen.
Die Achtsamkeit für die Bewegungsimpulse des Kindes, die volle Hinwendung zum Kind, Begrüßung über bzw. Begrenzung an den Füßen und ein Hochheben und Tragen, das für den Säugling angenehm ist… all das sind Dinge mit denen sich Kinaesthetics Infant Handling beschäftigt.

Heute war der erste von sechs Ausbildungstagen zum artgerecht-Coach.

Ich bin gerade, um sieben Uhr abends, nach Hause gekommen und ganz extrem voll mit Eindrücken.

Wir beschäftigen uns in dieser Ausbildung mit der Frage, wie wir Menschen artgerecht leben. Was wir brauchen, damit es uns gut geht. Wie unsere Spezies erdacht und unsere Körper gemacht sind. Wofür sind bestimmte Mechanismen, die wir alle vielleicht schon beobachtet haben, da – welche sinnvolle Funktion haben sie? Und was stört den Ablauf von instinktiven Reaktionen? Hierbei werden ganz unterschiedliche Themenkomplexe angesprochen.

Heute ging es vorherrschend um das Thema „Babys tragen“ und „Geburt“. Carmen Rotterdam-Cluxen von der Trageschule Dresden war bei uns und obwohl ich den Grundkurs bei der Trageschule Hamburg absolviert habe, habe ich für mich wieder viel Nützliches und einiges Neues mitgenommen. Eine der prägnantesten Informationen für mich war, wie kurz in der Menschheitsgeschichte es erst Kinderwägen gibt. Zwar wurden Babys natürlich auch vorher irgendwie transportiert (in Schubkarren, auf Lasttieren oder zumeist in Tüchern oder Körben), aber die erste Fabrik für Kinderwägen gab es erst 1840. Eine britische (?) Adelsfrau ließ sich mangels Alternativen einen Kinderwagen von einem Sargbauer bauen – quasi einen Sarg auf Rädern. Ein wirklich eindrückliches Bild.
Damit möchte ich den Kinderwagen nicht verteufeln, aber seine heutzutage gelebte Normalität und Unausweichlichkeit in Frage stellen.

So, ich bin ganz stolz auf mich:

Ich habe es gerade geschafft, selbständig den iFrame zur Kursanmeldung in meine Homepage einzubinden.
Und weil ich das jetzt so schön kann, möchte ich das direkt nochmal machen. 🙂

Nein, im Ernst:
Ich bin froh und dankbar, dass die Verwaltung des St.Vinzenz-Hospitals in Köln-Nippes das Kurskonzept „KinderBesserVerstehen“ nach Katia Saalfrank als Bereicherung für ihre Elternschule empfindet und dass ich von nun an diesen Kurs dort anbieten darf!


Am Freitag, den 28.10.2016 geht es los!!!

Die Elternschule hat bereits ein sehr breites Programm für werdende und frischgebackene Eltern, aber kein Programm für Eltern von Kleinkindern.
Genau das hat mich damals dazu bewogen hat, die Ausbildung zur KBV-Kursleiterin zu beginnen: Es gibt ganz viele unterschiedliche und zum Teil großartige Kurse für Eltern von Babys, aber fast gar keine vergleichbaren Angebote für die doch sehr turbulente Kleinkindzeit.

Gibt es absichtliche Wutanfälle und – wenn ja – wie geht man mit diesen um?

Kürzlich habe ich das Buch „Achtsame Kommunikation mit Kindern: Zwölf revolutionäre Strategien auf der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes“ von Daniel Siegel und Tina Bryson gelesen.

In diesem Buch wird eindrücklich beschrieben, dass Kinder noch gar nicht in der Lage sind ihre Reaktionen zu steuern, weil der Teil des Gehirns, der für Logik, Gefühlsregulation, Vernunft usw. gebraucht wird, noch gar nicht fertig gebaut ist.


Das Gehirn als Haus – „Achtung, Baustelle!“

Die Autoren vergleichen das Gehirn mit einem Haus, in das man einzieht, obwohl nur Keller und Erdgeschoss (beispielsweise Reflexe, starke Gefühle wie Wut, Trauer, Freude, Angst) fertig sind. Die oberen Etagen werden erst im Laufe der Zeit errichtet.

Bis alles fertig ist dauert es übrigens. Erst wenn ein Mensch 20-25 Jahre alt ist, ist der Bau abgeschlossen. Wir können ja mal Wetten darauf abschließen, ob der Bau des Berliner Flughafens letzten Endes kürzer oder länger dauern wird. 😉

Deswegen ist es völlig unsinnig von einem Kleinkind logische Reaktionen zu erwarten. Und die Strategie „Ignorieren“ ist auf die lange Sicht des Lebens sogar noch unsinniger, weil dies dafür sorgen wird, dass der Mensch sein Leben lang von starken Gefühlen überschwemmt wird. Diese können nämlich nie „in die obere Etage“ integriert werden.

Mit unserer eigenen Wut umgehen

Letzte Woche habe ich Ihnen ein paar Werkzeuge für Ihren Werkzeugkoffer vorgestellt, wie Sie der Wut Ihres Kindes begegnen können.

Aber was ist eigentlich mit UNSERER Wut?
Ganz ehrlich: Ich kann ja Bücher lesen und Texte schreiben so viel, wie ich will — an manchen Tagen herrscht in meinem Werkzeugkoffer eine unfassbare Unordnung und ich finde nicht, was ich brauche und an anderen – ist der ganze Koffer plötzlich spurlos verschwunden!

Übrig bleiben – um in der Metapher zu bleiben – immer nur zwei Dinge: Der erzieherische Schraubstock und die Brechstange. Das Ergebnis ist häufig ein paar Dezibel zu laut und beinhaltet eine Anhäufung von „Wenn-Dann“-Sätzen. Hinterher geht es sowohl mir als auch meinem Kind schlecht. Gleichzeitig mit der Scham pocht noch die Wut in meinen Adern und mein Kind fühlt sich gedemütigt, fremdbestimmt und – im Endeffekt – ungeliebt.

Wie wir mit starken Gefühlen unserer Kinder beziehungsfördernd umgehen können

Es gibt sie:

Diese Tage an denen man das Gefühl hat, man hat sich nur von einem Wutanfall des Kindes zum nächsten gehangelt.
Tage, an denen man denkt, man könnte in den Tränen des Kindes ertrinken und hätte für die nächsten 3 Jahre das Lärm-Pensum völlig ausgereizt.
Tage, an denen man manchmal auch einfach nur weg möchte – ganz alleine nach Bhutan zum Beispiel, wo das Bruttonationalglück Staatsaufgabe ist.

Leider kann man aber nicht weg. Nicht mal ein bisschen. Denn vor einem auf dem Boden liegt das brüllende Kleinkind und man kann es nun mal nicht einfach da liegen lassen (auch wenn wir damit gerne aus Hilflosigkeit drohen – hierzu hat meine Blogkollegin Susanne Mierau einen tollen Artikel geschrieben).
Genau das macht ja auch einen Großteil unseres Drucks aus: Wir können der Situation nicht entfliehen.
Und im schlimmsten Fall haben wir auch noch gerade Zeitdruck, Hunger, müssen aufs Klo oder alles zusammen.

Nun muss ich Sie leider enttäuschen: Es gibt keinen Zaubertrick, kein „Portal“, kein Wunder.
Aber es gibt viele Wege, die uns das Gefühl geben, an einem Wunder teilzuhaben – dem Wunder miteinander zu wachsen und eine Situation gemeinsam gemeistert zu haben.

Die meisten Werkzeuge sind banal.
Die Schwierigkeit besteht nicht darin, sie zu kennen, sondern sie zur richtigen Zeit parat zu haben. Hierfür brauche zumindest ich immer wieder Impulse, die sie mir wieder und wieder in Erinnerung rufen – auch in Stresssituationen.
Ich wünsche mir, für Sie oder Euch ein solcher Impuls sein zu können.

Jedes Mal, wenn eine Mutter diesen Satz über ihr tobendes Kind sagt und dies als Grund nennt, warum sie sich ihm nicht zuwendet, möchte ich gerne laut rufen:

Was heißt denn hier, nur???!“

Gestatten, ich heiße Natascha, bin 33 Jahre alt und bin süchtig nach Aufmerksamkeit.

Ganz ehrlich. Ich könnte jetzt versuchen, das schönzureden, aber so ist es.

Bekomme ich keine Aufmerksamkeit, mache ich ganz komische Sachen. Also gut, manchmal kann ich mich davon abhalten, weil mein Verstand mich daran hindert. Manchmal poste ich aber seltsame Sachen auf meiner Facebook-Seite oder mache extra Sachen, von denen ich weiß, dass ich damit Beachtung finde. Schreibe zum Beispiel einen sehr persönlichen Artikel für meine Homepage.

Ups. Erwischt.