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Wie wir mit starken Gefühlen unserer Kinder beziehungsfördernd umgehen können

Es gibt sie:

Diese Tage an denen man das Gefühl hat, man hat sich nur von einem Wutanfall des Kindes zum nächsten gehangelt.
Tage, an denen man denkt, man könnte in den Tränen des Kindes ertrinken und hätte für die nächsten 3 Jahre das Lärm-Pensum völlig ausgereizt.
Tage, an denen man manchmal auch einfach nur weg möchte – ganz alleine nach Bhutan zum Beispiel, wo das Bruttonationalglück Staatsaufgabe ist.

Leider kann man aber nicht weg. Nicht mal ein bisschen. Denn vor einem auf dem Boden liegt das brüllende Kleinkind und man kann es nun mal nicht einfach da liegen lassen (auch wenn wir damit gerne aus Hilflosigkeit drohen – hierzu hat meine Blogkollegin Susanne Mierau einen tollen Artikel geschrieben).
Genau das macht ja auch einen Großteil unseres Drucks aus: Wir können der Situation nicht entfliehen.
Und im schlimmsten Fall haben wir auch noch gerade Zeitdruck, Hunger, müssen aufs Klo oder alles zusammen.

Nun muss ich Sie leider enttäuschen: Es gibt keinen Zaubertrick, kein „Portal“, kein Wunder.
Aber es gibt viele Wege, die uns das Gefühl geben, an einem Wunder teilzuhaben – dem Wunder miteinander zu wachsen und eine Situation gemeinsam gemeistert zu haben.

Die meisten Werkzeuge sind banal.
Die Schwierigkeit besteht nicht darin, sie zu kennen, sondern sie zur richtigen Zeit parat zu haben. Hierfür brauche zumindest ich immer wieder Impulse, die sie mir wieder und wieder in Erinnerung rufen – auch in Stresssituationen.
Ich wünsche mir, für Sie oder Euch ein solcher Impuls sein zu können.

Kürzlich las ich in einer Eltern-Zeitschrift einen Artikel zum Thema „Benehmen 2015“. Hier wurde aufgelistet, was Kinder in welchem Alter lernen können (sollen?). Zwischen drei und fünf Jahren sollen Kinder wissen (und anwenden?), dass man sich begrüßt und verabschiedet, „bitte“ und „danke“ sagt, mit Besteck isst, sich entschuldigt und mancherlei mehr. Zu Beginn des Schulalters kann es einem Kind bereits zugetraut (zugemutet?) werden, eine Stunde mit den Erwachsenen am Tisch zu sitzen, Erwachsene zu siezen, mit Messer und Gabel zu essen und ähnliches.

Wenn ich mich in diesem Artikel dagegen positioniere, dies meinem Kind aktiv beizubringen, heißt das natürlich nicht, dass ich etwas dagegen hätte, wenn mein Sohn ein freundliches und zugewandtes Kind ist, das man z.B. auch mal mit in ein Restaurant nehmen könnte.

Allerdings geht mir das Belehren, das ich allerorts wahrnehme, gehörig auf den Senkel. „Wie heißt das Zauberwort?“ „Hast du auch danke gesagt?“ „Sagst du noch ‚Auf Wiedersehen‘?“ „Jetzt entschuldigst du dich aber!“