begleiten

Als ich letzte Woche darüber schrieb, wie ich zum Thema Medien stehe, erhielt ich viele positive, einige nachdenkliche und nur wenige kritische Rückmeldungen. Viele Eltern befassen sich mit dem Thema – die meisten vermutlich wie ich zwangsweise, weil das mit der Regulation der Kinder nicht so einfach ist, wie man sich das mal vorgestellt hat, bevor man Kinder hatte.
Wie ja so ziemlich alles.
Viele suchen nach ihrem Weg… auf einige passt der Begriff „ringen“ vielleicht sogar besser. Und eine Mutter bat mich, doch einmal zu schreiben, wie ich das „geschafft“ hätte, meinem Kind so zu vertrauen.

Ja, und da kaue ich jetzt seit dem drauf herum.

 

HABE ich es geschafft? Habe ICH es geschafft? Habe ich es GESCHAFFT?

Puh, ich bin ja froh, dass ihr meine Beiträge auch noch gerne lest, wenn ich soooo kurz davor bin, einfach mit dem Kopf auf die Tastatur zu fallen und etwas wie aölkfjaödlkjaölfg kjsölkgj zu schreiben. Aber das hätte ja auch wieder nur zu Folgeproblemen geführt. Welches Bild nähme man denn für einen derartigen Text?? ;-p

Heute war der letzte Tag der Grundausbildung. Am Freitag geht es mit dem Aufbaukurs weiter.

Am Vormittag ging es um das Thema „Betreuung“.

Wie -gefühlt- jeder Zweite in den Elterngruppen haben mein Sohn und ich hier auch eine schwierige Geschichte und alleine das Reden darüber berührt meinen Schmerz und mein immer noch vorhandenes schlechtes Gewissen, wie es damals gelaufen ist. Mein Sohn ging dort einfach niemals gern hin und es war Morgen für Morgen sehr schwer für uns beide.


Wie entwickeln Kleinkinder Vertrauen zu neuen Menschen?

Heute war der erste von sechs Ausbildungstagen zum artgerecht-Coach.

Ich bin gerade, um sieben Uhr abends, nach Hause gekommen und ganz extrem voll mit Eindrücken.

Wir beschäftigen uns in dieser Ausbildung mit der Frage, wie wir Menschen artgerecht leben. Was wir brauchen, damit es uns gut geht. Wie unsere Spezies erdacht und unsere Körper gemacht sind. Wofür sind bestimmte Mechanismen, die wir alle vielleicht schon beobachtet haben, da – welche sinnvolle Funktion haben sie? Und was stört den Ablauf von instinktiven Reaktionen? Hierbei werden ganz unterschiedliche Themenkomplexe angesprochen.

Heute ging es vorherrschend um das Thema „Babys tragen“ und „Geburt“. Carmen Rotterdam-Cluxen von der Trageschule Dresden war bei uns und obwohl ich den Grundkurs bei der Trageschule Hamburg absolviert habe, habe ich für mich wieder viel Nützliches und einiges Neues mitgenommen. Eine der prägnantesten Informationen für mich war, wie kurz in der Menschheitsgeschichte es erst Kinderwägen gibt. Zwar wurden Babys natürlich auch vorher irgendwie transportiert (in Schubkarren, auf Lasttieren oder zumeist in Tüchern oder Körben), aber die erste Fabrik für Kinderwägen gab es erst 1840. Eine britische (?) Adelsfrau ließ sich mangels Alternativen einen Kinderwagen von einem Sargbauer bauen – quasi einen Sarg auf Rädern. Ein wirklich eindrückliches Bild.
Damit möchte ich den Kinderwagen nicht verteufeln, aber seine heutzutage gelebte Normalität und Unausweichlichkeit in Frage stellen.

So, ich bin ganz stolz auf mich:

Ich habe es gerade geschafft, selbständig den iFrame zur Kursanmeldung in meine Homepage einzubinden.
Und weil ich das jetzt so schön kann, möchte ich das direkt nochmal machen. 🙂

Nein, im Ernst:
Ich bin froh und dankbar, dass die Verwaltung des St.Vinzenz-Hospitals in Köln-Nippes das Kurskonzept „KinderBesserVerstehen“ nach Katia Saalfrank als Bereicherung für ihre Elternschule empfindet und dass ich von nun an diesen Kurs dort anbieten darf!


Am Freitag, den 28.10.2016 geht es los!!!

Die Elternschule hat bereits ein sehr breites Programm für werdende und frischgebackene Eltern, aber kein Programm für Eltern von Kleinkindern.
Genau das hat mich damals dazu bewogen hat, die Ausbildung zur KBV-Kursleiterin zu beginnen: Es gibt ganz viele unterschiedliche und zum Teil großartige Kurse für Eltern von Babys, aber fast gar keine vergleichbaren Angebote für die doch sehr turbulente Kleinkindzeit.

Wie wir mit starken Gefühlen unserer Kinder beziehungsfördernd umgehen können

Es gibt sie:

Diese Tage an denen man das Gefühl hat, man hat sich nur von einem Wutanfall des Kindes zum nächsten gehangelt.
Tage, an denen man denkt, man könnte in den Tränen des Kindes ertrinken und hätte für die nächsten 3 Jahre das Lärm-Pensum völlig ausgereizt.
Tage, an denen man manchmal auch einfach nur weg möchte – ganz alleine nach Bhutan zum Beispiel, wo das Bruttonationalglück Staatsaufgabe ist.

Leider kann man aber nicht weg. Nicht mal ein bisschen. Denn vor einem auf dem Boden liegt das brüllende Kleinkind und man kann es nun mal nicht einfach da liegen lassen (auch wenn wir damit gerne aus Hilflosigkeit drohen – hierzu hat meine Blogkollegin Susanne Mierau einen tollen Artikel geschrieben).
Genau das macht ja auch einen Großteil unseres Drucks aus: Wir können der Situation nicht entfliehen.
Und im schlimmsten Fall haben wir auch noch gerade Zeitdruck, Hunger, müssen aufs Klo oder alles zusammen.

Nun muss ich Sie leider enttäuschen: Es gibt keinen Zaubertrick, kein „Portal“, kein Wunder.
Aber es gibt viele Wege, die uns das Gefühl geben, an einem Wunder teilzuhaben – dem Wunder miteinander zu wachsen und eine Situation gemeinsam gemeistert zu haben.

Die meisten Werkzeuge sind banal.
Die Schwierigkeit besteht nicht darin, sie zu kennen, sondern sie zur richtigen Zeit parat zu haben. Hierfür brauche zumindest ich immer wieder Impulse, die sie mir wieder und wieder in Erinnerung rufen – auch in Stresssituationen.
Ich wünsche mir, für Sie oder Euch ein solcher Impuls sein zu können.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade, ins Leben gerufen von den wunderbaren Bloggern von: https://diephysikvonbeziehungen.wordpress.com/
Dort gibt es noch bis Mitte September viele weitere Artikel zum Thema Schule.
Vielen Dank, dass ich daran teilnehmen darf!


Der tägliche Kampf

Jetzt geht es wieder los:

Das fremdbestimmte Leben, wo morgens der Wecker klingelt. Wo ich mein Kind nur noch müde und schlecht gelaunt erlebe, weil es sowohl morgens um halb sieben noch nicht ansprechbar ist und auch nachmittags um 16 Uhr nicht mehr wirklich viel Energie hat. Wo wir uns über Hausaufgaben streiten müssen und ich mit meinen widerstreitenden Gefühlen kämpfen muss.

Das eine, das meinen Sohn frei aufwachsen lassen will und ihm vertrauen möchte. Das andere, das Sorge hat, dass er nicht mitkommt. Das die Drohungen der Lehrer hört und Angst hat, dass mein Sohn mir irgendwann vorwirft, ihn nicht mehr zum Lernen angehalten zu haben.

Aber von vorn:

Schon früh war mir klar, dass ich meinen Sohn sowohl um seinet- als auch um meinetwillen nicht in eine Regelschule geben kann, weil wir beide daran kaputt gehen. Ich selbst habe bereits als Jugendliche gegen die Ungerechtigkeit, das Hierarchiedenken und die Willkür des Schulsystems im Allgemeinen und gegen die einzelner Lehrpersonen im Besonderen rebelliert. Auch hatte ich mich bereits zu Kindergartenzeiten meines Sohnes darüber aufgeregt, wie respektlos oft auch die Eltern behandelt werden und wie sehr sie dazu genötigt werden, sich dem System anzupassen anstatt sich (soweit es möglich ist) den einzelnen Kindern und ihren Bedürfnissen anzupassen.
Ich wollte dieses Gefühl des Ausgeliefertseins und der Unmündigkeit nicht weiter erleben.

Erster Teil:
„Strategien, die nicht beziehungsfördernd sind und warum viele Eltern so unter Druck geraten“

Das da oben bin ich. Auch wenn dies mit Sicherheit nicht die Hochphase eines Wutanfalls oder von Verzweiflung gewesen sein wird, so lese ich doch deutlich Ärger und Empörung aus meinem Gesichtsausdruck heraus. Und ich frage mich: Was in aller Welt hat meine Eltern dazu gebracht, in diesem Moment den Fotoapparat zu holen (damals hatte man noch nicht immer griffbereit das Smartphone mit integrierter Kamera in der Tasche) und mich zu fotografieren?

 

„Du siehst so süß aus, wenn du wütend bist!“

Ein Satz, den ich bis heute hasse und der mir aber dennoch auch im Erwachsenenleben (selbst im Berufsalltag) begegnet ist. Wenn ich ihn höre, weiß ich, dass ich meistens in meinem Anliegen nicht ernst genommen werde, ja, dass mir oft gar nicht zugehört wird.
Um auf die Frage oben zurückzukommen: Der Impuls, den Fotoapparat zu holen und sein Kind zu fotografieren, wenn es gerade sauer ist, ist der unbewusste Versuch, eine Distanz herzustellen. Es ist das komplette Gegenteil davon, sich mit dem Kind in seinem Schmerz zu verbinden, sich ihm in seiner ganzen Präsenz hinzuwenden. Denn stellen Sie sich eine vergleichbare Situation mal kurz mit Ihrem Partner vor: Sie sind unglaublich wütend und Ihr Partner sagt zu Ihnen: „Ich höre dir gleich zu, Schatz, aber erst möchte ich dich fotografieren. Du bist so süß, wenn du dich aufregst!“ Können Sie sich vorstellen, was Sie in diesem Moment empfinden würden?

Kürzlich las ich in einer Eltern-Zeitschrift einen Artikel zum Thema „Benehmen 2015“. Hier wurde aufgelistet, was Kinder in welchem Alter lernen können (sollen?). Zwischen drei und fünf Jahren sollen Kinder wissen (und anwenden?), dass man sich begrüßt und verabschiedet, „bitte“ und „danke“ sagt, mit Besteck isst, sich entschuldigt und mancherlei mehr. Zu Beginn des Schulalters kann es einem Kind bereits zugetraut (zugemutet?) werden, eine Stunde mit den Erwachsenen am Tisch zu sitzen, Erwachsene zu siezen, mit Messer und Gabel zu essen und ähnliches.

Wenn ich mich in diesem Artikel dagegen positioniere, dies meinem Kind aktiv beizubringen, heißt das natürlich nicht, dass ich etwas dagegen hätte, wenn mein Sohn ein freundliches und zugewandtes Kind ist, das man z.B. auch mal mit in ein Restaurant nehmen könnte.

Allerdings geht mir das Belehren, das ich allerorts wahrnehme, gehörig auf den Senkel. „Wie heißt das Zauberwort?“ „Hast du auch danke gesagt?“ „Sagst du noch ‚Auf Wiedersehen‘?“ „Jetzt entschuldigst du dich aber!“