Puh, ich bin ja froh, dass ihr meine Beiträge auch noch gerne lest, wenn ich soooo kurz davor bin, einfach mit dem Kopf auf die Tastatur zu fallen und etwas wie aölkfjaödlkjaölfg kjsölkgj zu schreiben. Aber das hätte ja auch wieder nur zu Folgeproblemen geführt. Welches Bild nähme man denn für einen derartigen Text?? ;-p

Heute war der letzte Tag der Grundausbildung. Am Freitag geht es mit dem Aufbaukurs weiter.

Am Vormittag ging es um das Thema „Betreuung“.

Wie -gefühlt- jeder Zweite in den Elterngruppen haben mein Sohn und ich hier auch eine schwierige Geschichte und alleine das Reden darüber berührt meinen Schmerz und mein immer noch vorhandenes schlechtes Gewissen, wie es damals gelaufen ist. Mein Sohn ging dort einfach niemals gern hin und es war Morgen für Morgen sehr schwer für uns beide.


Wie entwickeln Kleinkinder Vertrauen zu neuen Menschen?

Ich wünschte sehr, mir wäre das, was ich heute gelernt habe, selbst klar gewesen und möchte deshalb hier darüber schreiben. Offensichtlich sind sich vielerorts weder Erzieher noch Eltern darüber bewusst, wie es funktioniert, dass ein Kind jemanden, der nicht zur Familie gehört, in den Clan aufnimmt.
Ein Großteil der Erzieher und Tagesmütter geht auf die Kinder zu und versucht diese zu anzusprechen, zu locken oder sie zum Spiel einzuladen. Die Mütter dürfen eine begrenzte Zeit mit dabei sein, sollen sich aber im Hintergrund halten.

Gerade bei Kindern unter 3 Jahren bildet sich auf diese Art aber kein Vertrauen. Vertrauen entwickelt sich über die Mutter. Versteht die Mutter sich mit den Erziehern? Fühlt die Mutter sich wohl? Es ist ähnlich wie ein Baby, das im Tragetuch von der Mutter co-reguliert wird: Es orientiert sich an ihren Hormonen, Körpersignalen und ihrem Puls, ob etwas, das für das Baby neu ist, eine Gefahr darstellt oder nicht.

Im Grunde könnte man also sagen:


Die Eltern müssten eingewöhnt werden!

Was brauchen diese, um sich zu entspannen und sich wohlzufühlen? Wie können sie zu Beginn wirklich DABEI sein und eine Funktion in der Gruppe oder für die Gruppe übernehmen?

Ich stelle mir zum Beispiel gerade ein Konzept vor, in dem Eltern nicht dazu angehalten werden, den Kindergarten zu verlassen, sondern in dem sie in den „Clan eingebunden werden“, in dem sie zum Beispiel in der Küche helfen, Bastelarbeiten vorbereiten, etwas kopieren, die Klos putzen… whatever. Fühlt die Mutter sich als Teil des Ganzen, kann sich das Kind entspannen und die Mutter kann sich zurückziehen. Optimalerweise gibt es aber immer wieder Gelegenheiten, wo die Mutter in den „Clan kommen kann“ und Teil von ihm ist. Das könnten gemeinsame Bastel- und Kochaktionen sein, gemeinsames Singen (wie ich nach dem Kurs nun weiß ist das sehr verbindend), Spiel-Aktionen, gemeinsame Ausflüge… letzten Endes sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.


Eltern und Erzieher bekämpfen einander oft aktiv oder passiv

Erzieher und Eltern gehen viel zu oft in Konkurrenz miteinander. Erzieher signalisieren Eltern am laufenden Bande, dass sie nicht willkommen sind und dass sie den Ablauf stören. Dabei könnten helfende Eltern ja bei dem meist gegebenen Personalschlüssel als absolute Bereicherung gesehen werden.

Eltern beurteilen alles, was die Erzieher tun, mit Argusaugen. Sind diese „gut genug“? Sie sehen die Erzieher eben auch nicht als Clan-Erweiterung.

Anstatt mit ihnen darüber zu sprechen, was sie brauchen, damit sie Vertrauen haben können oder damit das Kind sich wohlfühlen kann, werden Erzieher angegriffen und oftmals belehrt.

Und ich muss gestehen: Ich war eine von diesen Müttern! Ey, keiner war gut genug für mein Baby!!! Und jedes übergangene Bedürfnis habe ich wie eine Löwin verteidigt. Hier ein Buch mitgebracht, da einen Artikel… Ich vermute… nein, ich WEISS, dass die Erzieher mich unglaublich anstrengend fanden.

Eine Aussage, die den Erziehern vermittelt: „Wie ihr es macht, ist es falsch. Das MÜSSTET ihr doch eigentlich wissen!!“ hat halt jetzt nicht so eine positive, verbindende Energie. Es ist schwer hier Gemeinsamkeiten und Lösungen zu finden.


Was vermitteln Eltern ihrem Kind, wenn sie mit den Erziehern streiten?

Und was sieht das Kind, wenn ich um jede Kleinigkeit mit den Erziehern diskutiere? Sonnencreme – ja oder nein? Zähneputzen nach dem Mittagessen? Muss mein Kind am Morgenkreis teilnehmen? Wann werden endlich mehr Angebote für Vorschulkinder angeboten? Nein, und MEIN Kind muss keine Jacke anziehen, wenn es nicht will.

Puh, mir fällt das echt schwer zu schreiben, weil ich genau so eine Mutter war, aber vermittele ich damit meinem Kind nicht, dass es nicht okay ist, sich auf die Erzieher einzulassen, weil die ja gar nicht wissen, was es braucht? Und vermittele ich meinem Kind nicht auch gleichzeitig, dass ich IHM nicht zutraue, sich hier zurecht zu finden? Bringe ich es nicht in einen kaum aufzulösenden Loyalitätskonflikt?

Ich kann mir vorstellen, was meine Gedanken bei manchen von euch auslösen. Ich bin selbst noch alles andere als durch damit.


In einen Dialog gehen und Mitgestalten ausdrücklich erwünscht!

Aber – bitte – mir ist wichtig, dass es nicht darum geht, alles auszuhalten.
Zum einen gibt es Kindergärten, in denen die Zustände nicht tragbar sind und es gibt welche, in denen das Menschenbild nicht mit unserem vereinbar ist. Gerade bei den Gedanken zur Eingewöhnung offenbaren sich hier schon oft Abgründe.

Zum anderen sollte es Eltern – als Teil des Clans – immer erlaubt sein, Beziehung zu gestalten. Zu sagen, wie es einem mit einer bestimmten Sache geht. Nachfragen, ob es hier eine andere Lösung geben kann und welche Gedanken sich die Erzieher dazu gemacht haben.

Doch selbst im nettesten Kindergarten wird es immer einige Dinge geben, die vollkommen anders laufen als Zuhause. Und das ist okay so!

Mir wurde heute noch einmal ganz klar verdeutlicht, dass die BINDUNG zu den Erziehern darüber entscheidet, ob ein Kind dort gerne hingeht oder nicht. Die Räume, das Konzept, welche Angebote es gibt, sind dem Kind ziemlich wurscht.


Bindung ist alles!

Gibt es im Kindergarten Erzieher die bindungsbereit sind? Werden die Kinder mit ihren Gefühlen ernst genommen? („Du bist ganz schön traurig, dass deine Mama jetzt weg ist, oder? Abschiede können manchmal schwer sein“ statt „Nu‘ hör doch auf zu heulen. Mama ist doch gleich wieder da“.)

So, und jetzt werde ich hübsch zu meiner Freundin gehen und das Ganze bei einem Glas Wein beschnacken und sacken lassen.

Ich kann das Gestern nicht mehr ungeschehen machen, aber ich kann im Heute anders handeln.

Und -vielleicht- Menschen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, neue Gedankenimpulse geben. Und sowohl meinem Sohn als auch seinen damaligen Erziehern von den in mir angestoßenen Erkenntnissen erzählen und Verantwortung übernehmen.

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Natascha Makoschey (33) hat einen 8-jährigen Sohn und arbeitet als Kinderkrankenschwester in der Geburtshilfe. Wenn sie nicht gerade Bücher liest, zwangsweise Uno spielt oder darüber nachdenken muss, welchen Pokémon sie am liebsten mag, dann quatscht, strickt oder singt sie.

    11 Comments

  1. Vivien

    Antworten

    So ein schöner Artikel! Zum ersten mal dachte ich mir, ja das wäre ein Kindergarten (ein Clan) wo ich gerne mit meinem Sohn hingehen würde und er kann sich entscheiden, ob er bleiben mag! Ich wünsche mir ganz fest, dass den Artikel ganz viele lesen (in meinem Fall die Kinderbetreuer) und sich die Einstellungen ganz „zackig“ in diese Richtung bewegen 😉 Danke dir ❤

  2. Fanni

    Antworten

    Schöner Artikel! Und eigentlich ganz klar…
    Für mich stellt sich nur die Frage, wie kann ich die Kindergärtner/innen so gut kennenlernen, dass ich ihnen
    vertraue? Man wird als Eltern ja sehr selten in den Kindergartenclan aufgenommen…🤔

    • Natascha Makoschey

      Ja, das ist eine interessante Frage? Was brauche ich um Vertrauen zu können? Wie kann ich mich in den Kindergarten einbringen? Wie kann ich mit den Erziehern in den Dialog gehen und ihnen von meiner Vision erzählen und welche Ideen haben sie? Welche Entlastungen wünschen sie sich? Welche Ergänzungen evtl. zu ihrem Angebot, was sie aber selbst nicht leisten können – ob personell oder inhaltlich?
      Und wenn ich gerade erst eine KiTa für mein Kind suche, wäre genau das auch ein Kriterium für meine Auswahl.

  3. Claudia

    Antworten

    Ebenso ein wunder Punkt von mir – die Kindergartenzeit meines Kindes… schrecklich! Ich hab mich so ohnmächtig gefühlt

    Wie du schreibst, ich kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber ich kann heute anders handeln. Ich arbeite im Kindergarten und es ist schwierig gegen das althergebrachte anzugehen und mit Selbstbewußtsein für die eigene Sichtweise einzustehen…

  4. Nadine

    Antworten

    Ich dachte eigentlich, dass die meisten Einrichtungen nach dem Berliner Modell vorgehen und das kommt dem ja irgendwie schon ziemlich entgegen. Außerdem kann ich sagen, dass unsere Einrichtung das zumindest bei meinem Sohn auch schon ähnlich gehandhabt hat oder es zumindest versucht. Allerdings haben sehr viele Eltern überhaupt kein Interesse daran, dass es so läuft. Sie geben ihr Kind ab und gut! Außerdem kommt dazu, dass die Bindung zu den Eltern auch schon vorher gut funktioniert haben muss, sonst hilft die beste Eingewöhnung nichts. Die Seite von der Einrichtung muss auch noch gesehen werden, ich denke es ist ein logistisch kaum zu bewältigendes Problem, wenn plötzlich 15-30 Eltern den einrichtungsalltag mehr oder weniger Mitgestaltung sollen! A können das viele nicht, weil sie eben wieder zur Arbeit müssen oder aber sie sind aus ihrer strickest nicht dazu in der Lage, oder oder oder…… um das ganze umzusetzen müsste man die Eingewöhnung der einzelnen Kinder zeitlich massiv auseinanderziehen, das scheitert schlichtweg an Bürokratie und kindergartengesetzen, Personal und Geld. Grundsätzlich finde ich es super wenn es so laufen kann. Ich fürchte aber, dass das die wenigsten Einrichtungen umsetzen können außer sie sind so klein wie unsere und kriegen nur immer 3-5 neue Kinder unter drei und wenn die es dann doch schaffen, dann haben sie mit Dicherheit ganz viele andere Baustellen……

    • Natascha Makoschey

      Danke für deinen Beitrag, Nadine!
      Ich halte das Berliner Modell für zu kurz gegriffen, denn Vertrauen baut sich bei vielen Kindern nicht innerhalb der wenigen vorgesehenen Tage auf. Zudem scheint es oft sehr missverständlich zu sein und wird vielerorts sehr lasch ausgelegt. Mir wurde hier an manchen Stellen das Münchener Eingewöhnungsmodell empfohlen, mit dem ich mich gerne beschäftigen möchte.
      Grundsätzlich ging es mir gestern nicht darum, einen Fachartikel zu schreiben, sondern mein Aha-Erlebnis zu teilen.
      Im Kindergarten meines Sohnes wäre es durchaus möglich gewesen auf vielerlei Weise am Clan teilzunehmen, wenn mir das bewusst gewesen wäre. Hilfsangebote seitens der Eltern wurden gerne angenommen und immer wieder gab es Projekte, in denen Elternhilfe gewünscht war. Ab 14h waren Eltern sowieso immer herzlich willkommen, mit draußen im Garten zu sitzen. Die Blockade und die Mauer war in meinem Kopf. Und das geht vielleicht anderen Eltern auch so.

      Ich mag auch nicht mehr darüber nachdenken, was alles aus welchen Gründen, nicht geht. Ich mag viel lieber Energie dafür einsetzen, herauszufinden, WAS GEHT. Natürlich können Eltern nicht täglich überall dabei sein (das will ja auch keiner und da hat ja auch niemand Zeit für), aber könnte es feste Events geben, wo sie willkommen sind (falls sie Zeit haben) – z.B. einmal die Woche gemeinsam Singen? Könnten Eltern in der Zeit der Eingewöhnung Aufgaben in der KiTa übernehmen – Essen schnibbeln, die gewaschenen Handtücher zusammenlegen, kleinere Reparaturarbeiten durchführen, die Räume verschönern, Marmelade kochen, Blumen gießen, Spielzeug sortieren und ausbessern… Es gäbe sooo unbegrenzt viele Möglichkeiten! Was wäre denkbar? Das sähe sicherlich in jedem Kindergarten anders aus, aber IRGENDETWAS ist überall möglich.
      Und wenn vorausgesetzt wird, dass Kinder sich an das anzupassen haben, was möglich ist, fände ich das ziemlich strange. Kindergärten sollten doch nach Wegen suchen, wie sie sich an die Bedürfnisse von kleinen Kindern anpassen können, meiner Meinung nach. Und die Eingewöhnung von mehreren Kindern gleichzeitig an dieselben zur Verfügung stehenden Bindungspersonen scheint mir sowieso ein völlig fehlgeleiteter Gedanke zu sein…

    • Kristina

      Und mein erster Gedanke war, dass das Berliner Modell dem Text von Natascha total widerspricht, diese paar tage, paar Stunden. Wir haben nach dem Münchner Modell eingewöhnt u ich habe mich wirklich als Teil des ganzen gefühlt, wurde aufgenommen u wir hatten eine Super Eingewöhnung. Ich denke viele Kitas nutzen dieses Modell nicht weil sie die Eltern nicht so nah dran lassen wollen.

  5. Christine Frels

    Antworten

    Ich bin gerade von Facebook aus auf diesen Beitrag gestoßen und bin begeistert.

    Ich arbeite als Kindertagespflegeperson (Tagesmutter) und mein Konzept lebt genau davon..
    Ich wusste es nur bis heute nicht so gut zu beschreiben oder bzw. wusste nicht, wie unterstützend mein Konzept wirkt…

    Darf ich diese Seite auf meiner Homepage verlinken?

    Ich habe mir vorgenommen nur Familien auf zu nehmen, die mir sympathisch sind. Ich betreue mit Mann und Kindern zu Hause bei uns, und da möchte ich nur Leute rein lassen, die ich mag.

    Die Eltern sind auf einen Kaffee willkommen, nach der Betreuung habe ich oft Zeit, auch für längere Gespräche.

    Die Kinder dürfen am Wochenende zum Übernachten kommen, wenn die Eltern mal „die Sau raus lassen“ wollen *g*

    Eine Eingewöhnung dauert so lange wie sie dauert…
    Die Eltern kommen mit, unterhalten sich mit mir, spielen mit…
    Das im Hintergrund bleiben der Eltern wird auch in der Kindertagespflege oft propagiert – ich schaffe das gar nicht 😉 weil ich mich immer so nett unterhalte mit den Eltern und mich darüber freue, wenn sie mit den Kindern ein Buch lesen, während ich koche.

    Wir machen drei Termine bevor es los geht, zwei bei uns und der letzte, zur Vertragsbesprechung und -unterzeichnung, findet bei den Eltern und dem Tageskind statt!

    Dass es nicht klappt mit der Betreuung hatte ich auch in den ersten Jahren… kann ich aber genau darauf zurück führen: keine gute Basis zwischen Eltern und uns…

    Danke, für diesen Artikel 🙂

    • Natascha Makoschey

      Hallo liebe Christine,
      danke für Ihr liebes Feedback und deinen Bericht, wie es bei Ihnen läuft. Und danke für Ihre wertvolle Arbeit!!!

      Gerne dürfen Sie meinen Artikel auf Ihrer Homepage verlinken – das freut mich sehr!

      Alles Liebe
      Natascha