Letzte Woche war mein Sohn auf seiner ersten Klassenfahrt.

Ich bin alleinerziehend mitohne sich kümmerndem Vater. Die Tage und vor allem die Nächte ohne mein Kind sind gezählt. Gut, seitdem ich im Schichtdienst arbeite, schläft das Kind öfter mal bei meinen Eltern. Aber da muss ich dann ja arbeiten und merke kaum, dass er nicht da ist.

Aber jetzt – 2,5 Tage ohne meinen Sohn. Und ich hatte auch noch frei.
Gott sei Dank war am ersten Abend Schulpflegschaftssitzung, sonst wäre ich ja gar nicht klar gekommen. Und am nächsten Morgen bin ich einfach zu meiner Schwester und meinen zwei süßen Neffen gefahren, damit ich jemanden betüddeln konnte. Doch am Abend hatte keiner meiner Freunde Zeit.
Unglaublich, da habe ich einmal abends FREI und könnte RAUSGEHEN und dann sind die alle total beschäftigt! Zum Glück war Netflix für mich da. Und meine Freundin aus Leipzig hatte auch Zeit zu telefonieren.

In den Nächten war unser Bett so leer. Und nicht nur, dass mir das Kind fehlte. Es hatte auch noch meinen riesigen Elefanten mitgenommen, als Mama-Kuschel-Ersatz. Super Idee. Nur doof, dass ich nun keinen Kind-Kuschel-Ersatz mehr hatte.

 

9 Jahre mit meinem Kind

Mal ehrlich. Seit fast 9 Jahren ist immer dieses Kind um mich herum. Und manchmal geht mir das fürchterlich auf den Senkel.

Ich kann abends nicht weggehen. (Gut, mittlerweile gewährt es mir zwischendurch mal Ausgang bis 21.30h – das ist kulanter als meine Eltern waren, als ich 16 war.)

Es ist einfach so sehr DA.
Okay, ich will fair bleiben: Wenn ich mich nicht mucke, ist es fast die ganze Zeit leise, weil es Youtube guckt oder WiiU spielt. Also, das Kind ist leise. Aber Chaosflo44 und seine zwei bekloppten Minecraft-Freunde sind ziemlich laut. Außerdem hat das Kind einen inneren Auftrag mich über die wichtigsten Sachen aus Pokemon, Minecraft und Splatoon auf dem Laufenden zu halten, egal, ob es mich interessiert oder nicht. (Tut es nicht.) Und es hat in regelmäßigen Abständen Hunger oder Durst. Und wehe, ich möchte mal meine Musik hören. Die findet mein Kind per se scheiße und möchte dann SEINE Musik hören. Immerhin ist das nicht mehr Helene Fischer. Ich bin ja für kleine Dinge dankbar. Allerdings sind K-Pop und selbstgerappte Lieder von Teenies nun auch nicht unfassbar viel besser. Dann steht und liegt überall zu viel Zeugs rum, dass mein Sohn nur nach mehrmaliger Aufforderung aufräumt. Und mit ihm Hausaufgaben machen ist ein einziges Desaster und ich würde das am liebsten nicht mehr tun müssen. Na ja.

 

Sehnsucht nach dem Leben bevor ich Mutter wurde

Jedenfalls dachte ich vor der Klassenfahrt, wie TOLL es sein würde, temporär ohne meinen Sohn zu sein. Endlich mal zwei Tage so wie früher. Ausschlafen. Ungestört lesen, fernsehen und… auf Klo gehen. Manchmal hat man ja so die Sehnsucht wieder so zu leben wie v.K. – vor dem Kind.

Dann stehe ich beispielsweise abends alleine in meiner Küche und wünsche mir, einfach so die Wohnung verlassen zu können und irgendwo hin zu fahren. Da fühle ich mich angebunden. Da macht mir die Verantwortung Angst. Immer noch. Da nerven mich Elternabende, Sankt-Martin-Umzüge und Kuchenbacken fürs Schulfest unendlich und ich zähle die Sekunden bis mein Kind nicht mehr schulpflichtig sein wird. Da geht mir das Gesabbel von dem Kind auf den Keks. Und das von seinem besten Freund, der quasi jeden Nachmittag bei uns ist, auch.

Aber so toll war es dann nicht. Also, es war okay. Und ich weiß auch, ich werde das wieder können, wenn mein Sohn älter wird oder irgendwann sogar ganz flügge.

Unfassbar, wie still und leer meine Wohnung ist, wenn mein Kind nicht da ist. Da musste ich quasi die ganze Zeit Selbstgespräche führen wie meine Mutter. (Bis mir das auffiel und ich versuchte, standhaft gegen diesen Impuls anzukämpfen.)

Die Vorstellung ohne Kind rausgehen zu können, ist ja auch ganz phantastisch, aber mit wem und wohin? Gut, vielleicht hätte ich ohne Kind auch mehr Freunde ohne Kind. Aber selbst meine kinderlosen Freunde sind mittlerweile meist sehr häuslich in ihren Beziehungen und Jobs.

 

Verdammt, ich liebe dieses Kind!

Und davon abgesehen fehlt mir dieses Kind, das sich zwischendurch „Kuschel-Einheiten“ bei mir abholt. Mich mit großen Augen ansieht und sagt, dass es mich lieb hat. Oder wahlweise „Boar, Mama, weißt du eigentlich wie geil du bist? Also, manchmal bist du auch ungeil, aber meistens bist du so was von geil!“ Auf solche Komplimente kann doch niemand verzichten wollen. Oder? Auch nicht auf Zettel mit großen Herzen, auf denen „Ich bin bei Tim“ draufsteht, damit ich mir keine Sorgen mache. Auf gehässiges Lachen und null Erbarmen beim Malefiz spielen. (Aber er tröstet mich immerhin, nachdem er gegen mich gewonnen hat.) Auf alberne Reimspiele und erfundene Lieder. Auf peinliche Enthüllungen über meine privaten Macken vor Freunden, Verwandten und Fremden. Auf tiefgründige Gespräche über existentielle Fragen des Lebens und des Sterbens. Auf seine spannenden Sichtweisen und sein einfühlsames Mitgefühl….

Diese 2,5 Tage haben mir nicht das Gefühl der Freiheit zurückgebracht, aber das Gefühl der Wertschätzung meines Lebens, wie es gerade ist.
Bunt. Erfüllt. Anders als früher, ja. Aber unendlich wertvoll.

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Natascha Makoschey (33) hat einen 8-jährigen Sohn und arbeitet als Kinderkrankenschwester in der Geburtshilfe. Wenn sie nicht gerade Bücher liest, zwangsweise Uno spielt oder darüber nachdenken muss, welchen Pokémon sie am liebsten mag, dann quatscht, strickt oder singt sie.