Zum Jahreswechsel fassen ja viele Menschen Vorsätze, was sie im neuen Jahr so alles verändern möchten. Sie möchten beispielsweise gesünder leben, mehr Sport machen, weniger trinken, sich ausgewogener ernähren. Oft wird sich weniger Stress gewünscht und mehr Zeit im Leben mit Dingen und Menschen zu verbringen, die einem gut tun. Menschen möchten sich weniger ärgern und mehr lieben. Gerade Eltern nehmen sich vor geduldiger zu sein und weniger zu schimpfen, wollen die kurze Zeit, in der ihre Kinder klein sind, wirklich auskosten.

Und dann finden sie sich wieder in täglichen Zerreiß-Proben mit ihren Kindern, die abends stundenlang nicht einschlafen oder die schlechte Esser sind. Kinder, die morgens niemals das Haus verlassen möchten, so dass es eine kaum zu bewältigende Herausforderung ist, pünktlich zum Kindergarten und danach zur Arbeit zu kommen. Kinder, die das Anziehen, Zähneputzen oder Windelwechseln verweigern.

Die Situationen verhärten sich und manches Mal wappnen sich die Eltern schon vorher innerlich gegen den Protest und machen sich auf einen Kampf gefasst. Die Redewendungen sind hier mit Bedacht gewählt, denn viele Eltern befinden sich genau da, wonach es klingt: Im Krieg.

Vielleicht wird sich mit Geduld bewaffnet; oder aber mit Kreativität. Vielleicht wird aber auch Konsequenz und Durchsetzungsvermögen befohlen. Was auch immer die Waffe der Wahl ist, eines ist allen gleich:

Die Erwartung eines Konfliktes

Und die Erwartung dessen, wie es eigentlich sein sollte. Was das Kind schon können, essen, verstehen sollte. Weil andere Kinder das tun. Weil irgendein Buch oder eine Homepage behauptet, dass das „normal“ ist. Weil die elterlichen Ressourcen erschöpft sind. Weil Körperpflege doch wichtig ist. Oder das Kind doch langsam etwas anderes braucht als Muttermilch. Und irgend etwas später ja auch nicht mehr gehen wird.

Die Ergebnisse dieser Kriege sind Freudlosigkeit und Stress. Manches Mal beherrscht ein bestimmtes Thema große Teile des Alltags mit dem Kind, als ob sich der entstandene Druck sternenförmig ausbreiten würde und somit immer mehr Raum einnimmt. Häufig haben die Eltern ihre „Negativ-Brillen“ an: Sie sehen, was das Kind nicht kann, oder kann, aber partout nicht macht oder wo es nicht kooperiert. Die vielen positiven Dinge können unter Umständen nur noch mit Mühe wahrgenommen werden.

Deshalb ist meine Neujahrsbotschaft an alle Eltern, die sich in solch festgefahrenen Situationen befinden:

Lasst los!

Nehmt wortwörtlich Abstand von den wiederkehrenden Konflikten und stellt Euch wieder nahe dahin, wo es Euch und Eure Kinder wärmt.

Wie aber kann man los lassen, wenn man große Sorgen hat, voller Ärger ist oder keine Kraft mehr da ist?

Manchmal erinnere ich mich selbst an unseren Hund.
Dieser liebt es sehr, die Stofftiere meines Sohnes zu zerlegen. Wenn er zu Besuch kommt, nehme ich ihm regelmäßig Kuscheltiere aus dem Maul und lege sie an einer für ihn unerreichbaren Stelle ab. Aber das heißt noch lange nicht, dass das Thema dann für ihn gegessen ist. Stundenlang steht er davor, stellt sich auf die Hinterpfoten und versucht dran zu kommen. Jedes Mal, wenn jemand vorbei geht, hofft er, dass derjenige es ihm zurück gibt. Und schläft er irgendwann ein, steht er sobald seine kleinen Knopfaugen wieder aufgehen, wieder schwanzwedelnd vor der Stelle wo ich den Gegenstand des Begehrens hingeräumt habe. Er denkt wirklich PAUSENLOS an nichts anderes und ist oft nur mit Mühe dazu zu bewegen, seinen Wachplatz zu räumen um zum Beispiel Gassi zu gehen.

Und wie unser Hund auch, so verbeiße ich mich oftmals gedanklich völlig in eine Sache.

Da ist Loslassen ja leicht gesagt. Wie soll das gehen?

Es beginnt immer damit, anzunehmen was ist.

JETZT GERADE ist es so.

Christopher McCurry zieht in seinem Buch „Ihr ängstliches Kind mit Achtsamkeit und Akzeptanz begleiten“ den Vergleich zu der fiktiven Situation, dass unser Haus brennt.

Etwas anzunehmen hat nichts damit zu tun, etwas gut zu finden.

Beileibe nicht. Wenn aber mein Haus brennt, ist die Strategie zumindest überdenkenswert, sich und allen anderen zu sagen, dass das Haus aber doch nun wirklich nicht brennen SOLLTE.
Weil es schlecht für Häuser ist zu brennen.
Weil hinterher bestimmt etwas ganz Schlimmes passieren wird.
Und das Haus hinterher denkt, dass es nun in Zukunft immer gelöscht wird, wenn es gerade mal wieder Lust hat zu brennen. Und man somit mit dem Löschen ein völlig falsches Signal setzen würde.

Ich kann natürlich auch versuchen, mir einzureden, dass mein Haus in Wirklichkeit gar nicht brennt. Das muss so sein!
Oder aber das scheint vom Nachbarn rüber, dem alten Pyromanen!

In diesem Zusammenhang klingt das lächerlich, aber fakt ist, dass wir auf diese Weise in Bezug auf zwischenmenschliche Probleme oft genau so handeln und damit viele unserer Energien verschwenden.

Nein, wir müssen es nicht gut finden, wenn unser Haus brennt. Aber erst wenn wir annehmen, DASS es jetzt gerade brennt, werden wir die Energien an der richtigen Stelle einsetzen: Wir werden die Feuerwehr rufen und uns und unsere Liebsten in Sicherheit bringen.

Eckart Tolle sagt es so (und ich weiß, dass ich das schon einmal gepostet habe, aber es ist nun mal mein absolutes Lieblingszitat und unfassbar weise):

Akzeptiere, und handle dann. Was immer der gegenwärtige Moment für dich bereit hält – verhalte dich so, als hättest du dir genau das ausgesucht. Arbeite mit dem, was du hast und nicht dagegen. Das wird wundersamerweise dein ganzes Leben verändern.“

„Loslassen“, also grundsätzlich alle Schwierigkeiten loslassen, ist ein unmöglicher Vorsatz. Im Grunde genommen kann ich immer nur JETZT GERADE aus dem Konflikt aussteigen.

Urlaub von dem, was uns das Leben vermiest

Stellt Euch vor, Ihr habt einen Job, den Ihr zwar grundsätzlich mögt, in dem aber aktuell viel Arbeit anfällt. Ihr nehmt zwei Wochen Urlaub, um mal herunterzukommen und fahrt weg. Es wäre ein Zeichen eines akuten Burn-Outs, wenn Ihr dort – fern von zu Hause – auch täglich an all den Stress denken und schlecht schlafen würdet. Ein Urlaub ist dafür da, um sich zu erholen, das Leben zu genießen und jede Menge schöne Momente zu sammeln, um wieder Kraft und Freude für den Alltag zu haben.

Und genau darum geht es:

Nehmt Euch einen Nachmittag frei und setzt die „Positiv-Brille“ auf. (Im Blog des Gewünschtesten Wunschkind gibt es drei wundervolle Beiträge zum Thema „Kooperation von Kindern“, die ich Euch sehr ans Herz legen möchte. http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015_09_01_archive.html) Plant einen Urlaub und entscheidet Euch einen Dauer-Brenn-Thema zwei Wochen lang von der Agenda zu streichen und strickt etwas Schönes aus dem, was gerade da ist.

Wie könnte das beispielsweise aussehen?

Will ein Kind partout nicht mit am Essenstisch sitzen, könnte die Zeit dafür genutzt werden, ein gutes Buch zu lesen oder endlich mal wieder ein ausführliches, ungestörtes Gespräch mit dem Partner oder einem Freund zu führen.

Das Kind möchte abends nicht einschlafen und Ihr liegt länger als eine Stunde frustriert neben ihm? Lasst es sein. Haltet euer Abendritual, kuschelt euch zusammen ins Bett und wenn das Kind nach einer bestimmten Zeit nicht eingeschlafen ist, lasst es aufstehen und weiterspielen. Nutzt den Abend für etwas, was Euch Spaß macht. Wenn Euer Kind die nächsten Müdigkeitsanzeichen zeigt, könnt Ihr Euch erneut mit ihn hinlegen. Oder aber probiert es aus Euer Kind bei Euch einschlafen zu lassen – auf der Couch oder einer kleinen Gästematratze in Wohnzimmer oder Küche.

Seid Ihr nur noch damit beschäftigt, was und wie viel Euer Kind isst, so dass Ihr schon selbst die Freude daran verloren habt? Macht Urlaub davon und kümmert Euch zwei Wochen nur darum, was Ihr selbst esst und dass Ihr es mit Freude tut. Versorge Euer Kind in dieser Zeit ohne Wenn und Aber mit dem, was es gerne isst – seien es „nackte Nudeln“ oder Muttermilch. Denn – im Urlaub isst man das, was einem schmeckt.

Euer Kind kommt morgens nicht in die Puschen? Lasst es schon abends viel von dem anziehen, was es am nächsten Morgen tragen kann. Gebt ihm alle Hilfe, die es möchte – das ist gelebte Liebe und Fürsorge. Legt die Kleidung auf die Heizung, so dass sie kuschelig warm ist. Trinkt gemütlich einen Kaffee und wartet auf Euer Kind, anstatt ihm gestresst hinterher zu rennen. Zur Not kann Euer Kind in eine warme Decke gehüllt werden oder der Winter-Overall direkt über den Schlafanzug gezogen werden. Kleidungswechsel werden allgemein überbewertet und können außerdem im Kindergarten auch noch erfolgen.

Also, egal worum es geht:
Versucht etwas Positives daraus für EUCH zu machen. Kümmert Euch um Euch selbst und verbeißt Euch nicht in Euer Kind.

Arbeitet nicht gegen Euer Kind, sondern mit ihm.

Teilt Eurem Kind also mit, dass Ihr Urlaub von Eurem Streit machen wollt und fragt es, was es braucht, damit dieser Urlaub auch für Euer Kind besonders schön wird, so dass es auftanken kann. Hört ihm zu, wenn es Euch erzählt, was es mag und was es nicht mag.

Das hat auch ganz viel mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darin, dass die Situation nicht immer so bleiben wird, wie sie jetzt ist. Dass wir so stark kämpfen und uns hier so stark verausgaben, hat schlicht und ergreifend mit mangelndem Vertrauen zu tun – sowohl in das Kind als auch in uns selbst.

Die Erdungsfrage: Wie wird mein Kind mit 16 Jahren sein?

Dabei ist es völlig absurd, sich vorzustellen, dass unser Kind, wenn es 16 Jahre ist, immer noch möchte, dass wir uns zwei Stunden neben es legen, damit es einschläft. Dass es sich nicht selbst anzieht und immer noch am liebsten nur Muttermilch trinkt. Natürlich nicht. Und nichts davon machen wir Eltern. Die Abnabelung und das Selber-machen ist im Bauplan eines jeden Menschen vorgesehen.
Die Aufgabe von uns Eltern ist es, dass dieser Bauplan ungehindert ausgeführt werden kann.
Und ehrlich gesagt: Unser Kampf und das Misstrauen behindert den kindlichen Bauplan, denn es ist etwas ganz anderes, ob ein Kind seine Eltern beispielsweise immer weniger zum Einschlafen braucht und diese sich den sich verändernden Bedürfnissen anpassen oder ob das Kind das Gefühl bekommt, seinen Eltern fürchterlich auf den Zwirn zu gehen und dass diese es nicht abwarten können, wenn sie es abends endlich quitt sind. Wenn man sich ungeliebt und nicht gesehen fühlt, ist das keine gute Atmosphäre für Wachstum.

Hat man einmal wirklich losgelassen; hat man die Entscheidung getroffen, sich die wertvolle Zeit nicht mit so ner Menge an Groll zu zerstören, dann verliert das vorher so Wichtige, wovon das Glück, der Schlaf, der freie Abend, der Weg zur Entspannung und mehr wiedererlangte Unabhängigkeit vermeintlich abhing, an Bedeutung.

Wann mein Sohn sich das erste Mal selbst angezogen hat, sich sein Müsli selbst gemacht hat, zum ersten Mal ohne Einschlafritual eingeschlafen ist… Ich kann es gar nicht sagen. Oft fiel es mir erst einige Zeit später auf. „Och, guck mal an… ist ja irre!“

Ich wünsche Euch im neuen Jahr ganz viel Zeit, in der Ihr eine goldene Brille auf der Nase habt und Ihr sehen könnt, dass Euer Leben und Euer Kind (oder Eure Kinder) glitzern, glänzen und strahlen.
Ich wünsche Euch Frieden im Herzen und viele wunderschöne Urlaube von allem, was Euch belastet.

 

Wie Eckart Tolle sagt:

 

„Das wird auf wundersame Weise Euer Leben verändern.“

Gerne stehe ich Euch auf Eurem Weg zur Seite. Ihr könnt telefonisch oder per Mail ein Termin für ein Kennenlern-Gespräch vereinbaren.

Zum Thema „Selbständigkeit“ habe ich hier schon einmal etwas geschrieben.

Und auch dazu, wann wir bestimmte Dinge von unseren Kindern erwarten können.

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Ich freue mich auf Sie!

 


 

Natascha Makoschey (Baujahr 1983) hat einen 9-jährigen Sohn und arbeitet als Kinderkrankenschwester in der Geburtshilfe. Wenn sie nicht gerade Bücher liest, zwangsweise Uno spielt oder darüber nachdenken muss, welchen Pokémon sie am liebsten mag, dann quatscht, strickt oder singt sie.