Kleinkinder

Neulich hörte ich im Schwimmbad einen Geschwister-Streit. Das eine Kind hatte dem anderen offensichtlich weh getan und das andere war darüber sehr empört. Beide Kinder weinten und schrien. Der Vater griff ein. Er sagte dem einen Kind nachdrücklich, dass es sich entschuldigen solle. Dieses tat es schließlich widerwillig. Das andere Kind hörte deshalb aber nicht auf zu schreien. Es war weiterhin sauer und verletzt über die Attacke.
Der Vater sagte zu dem Kind: „Hör auf zu weinen! Sie hat sich entschuldigt und dann muss man die Entschuldigung auch annehmen!“
Ich war völlig schockiert über so viele – in meinen Augen – falsche Annahmen in kurzer Zeit und diese Szene beschäftigt mich weiterhin so stark, dass ich nun einen Artikel darüber schreiben möchte.

Für meine artgerecht-Prüfung habe ich mich im letzten Beitrag dem frühen Durchschlafen von Säuglingen gewidmet. Über diesen Artikel wurde in einigen Gruppen rege diskutiert und ich darf nun meine Kompetenzen ausweiten, mit Gegenwind umzugehen. 😉

Da ich mich ja themenmäßig an dem Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ entlang hangele und dieses Buch per se nicht bedürfnisorientiert ist, ist der Sprengstoff quasi schon im Paket mit inbegriffen. Und da meine Aufgabe nicht ist, einfach alles scheiße zu finden, was die Autorin Pamela Druckerman so von sich gibt, sondern mich damit AUSEINANDER zu setzen, werde ich das auch weiterhin tun.

Allerdings möchte ich noch einmal klarstellen, dass es sich hier um MEINE Gedanken handelt und nicht um allgemeingültige Wahrheiten. Denn die gibt es meiner Ansicht nach sowieso nicht.

 

Die Haltung ist entscheidend (und von außen oft nicht erkennbar)

Als ich letzte Woche darüber schrieb, wie ich zum Thema Medien stehe, erhielt ich viele positive, einige nachdenkliche und nur wenige kritische Rückmeldungen. Viele Eltern befassen sich mit dem Thema – die meisten vermutlich wie ich zwangsweise, weil das mit der Regulation der Kinder nicht so einfach ist, wie man sich das mal vorgestellt hat, bevor man Kinder hatte.
Wie ja so ziemlich alles.
Viele suchen nach ihrem Weg… auf einige passt der Begriff „ringen“ vielleicht sogar besser. Und eine Mutter bat mich, doch einmal zu schreiben, wie ich das „geschafft“ hätte, meinem Kind so zu vertrauen.

Ja, und da kaue ich jetzt seit dem drauf herum.

 

HABE ich es geschafft? Habe ICH es geschafft? Habe ich es GESCHAFFT?

Der erste Kurs mit 8 Müttern von Kindern von circa zwei bis fünf Jahren neigt sich so laaangsam dem Ende zu.
Es war eine spannende Zeit für mich und die Mütter.
Welche Werte wurden in meiner Familie gelebt? Welche Werte lebe ich heute? Und welche MÖCHTE ich wirklich leben? Was hängt mir noch in den Knochen aus meiner Kindheit, was mich daran hindert, mich wirklich auf mein Kind einzulassen? Wie kann ich ganz praktisch, mit Humor und Ideenreichtum die klassischen Konflikt-Situationen mit meinem Kind anders gestalten?

#pampersauszeit


Sehr geehrte inhaltlich Verantwortliche der Pampers-Homepage,

heute stieß ich auf den – in meinen Augen – grausamen und absolut nicht zeitgemäßen Artikel
„Kinder richtig bestrafen: Auszeiten“.

Als Einfach Eltern®-Familienbegleiterin und Mutter möchte ich diesen einfach nicht unkommentiert stehen lassen, denn er widerspricht allem, woran ich glaube.

Zuallererst dem ersten Paragraphen unseres Grundgesetzes:

 

„Die Würde eines Menschen ist unantastbar.“

Und – erstaunlich, aber wahr – für mich sind Kinder auch Menschen.

oder  Wann komme endlich mal wieder Ich?

Hauptsächlich verantwortliches Elternteil von einem Kleinkind zu sein ist anstrengend.
Mütter von kleinen Kindern berichten immer wieder davon, dass diese ihnen Tag und Nacht am Körper kleben und keine andere Bezugsperson akzeptieren. Die Mütter sehnen sich nach einer kurzen Zeit nur für sich allein. Einer halben Stunde ungestört in der Badewanne z.B. oder mal ein ganzes Kapitel völlig versunken in einem Buch zu lesen. Sogar kochen ohne Unterbrechungen mit lauter Musik in der Küche kann eine absolute Erholung sein.

Und dann kommen diese erschöpften und verzweifelten Mütter und fragen: „Ab wann kann ich von meinem Kind verlangen, mal eine halbe Stunde bei seinem Papa zu bleiben?“ Oder bei der Oma oder einer anderen Bezugsperson.

Nun ist der Aufbaukurs vorbei. Unfassbar, wie schnell drei Tage vergehen können und wie schnell es sich völlig normal anfühlte jeden Morgen dort hin zu fahren.

Ich bin ganz beseelt von der warmherzigen Atmosphäre dort. Alle hörten einander zu – selbst ich alte Schnabbeltante bin anderen nicht dauernd ins Wort gefallen. Jeder Mutter und jeder Sichtweise wurde großen Respekt entgegen gebracht. Das war absoluter Balsam für die Seele.
Aber dies ist natürlich Nicola Schmidts und Liane Emmersbergers Vorbild, ihrer guten Vorbereitung, ihrer Liebe und ihrem Einfühlungsvermögen zu verdanken. Ich habe viel beobachten dürfen, was mich für meine eigenen Kurse inspiriert hat.


Kinästhetik – Wie man Säuglinge (und sich selbst) achtsam bewegt und ihre Umgebung bedürfnisorientiert gestaltet

Ein großer Themenkomplex des Kurses war das sogenannte Kinaesthetic Infant Handling.  Liane Emmersberger ist Trainerin bei der Deutschen Gesellschaft für Kinästhetik und Kommukuation e.V. und hat uns an ihrem umfangreichen Wissen teilhaben lassen.
Bei Kinästhetik  handelt es sich um achtsame Berührung und Bewegung. Sie wird insbesondere in der Pflege von Früh- und Neugeborenen und Menschen mit körperlichen oder motorischen Einschränkungen angewendet. Es wäre aber durchaus wünschenswert, wenn einige Grundlagen auch den Eltern Zuhause bekannt wären.
So kann man ganz alltägliche Aktivitäten wie beispielsweise Wickeln so gestalten, dass das Kind sich viel wohler fühlt, aktiv mit einbezogen wird und durch Nutzung von Bewegungsmustern, die das Säuglingsgehirn nachvollziehen kann und die seinen motorischen Entwicklungschritten entsprechen, die Beweglichkeit aktiv fördern. Ebenfalls ist es ein großes Anliegen die Umgebung den Bedürfnissen der Kinder entsprechend zu gestalten und die Bemühungen der Kinder sitzen, krabbeln und stehen zu lernen, auf eine hilfreiche Art zu unterstützen. Leider sind hierzulande viele Bewegungsspiele beliebt, die ungute Muster im Kind fördern – wie zum Beispiel, dass das Kind sich an den Armen der Eltern zum Sitzen hochzieht. Dies könnte man – vorausgesetzt, es würde einem gezeigt werden, wie es geht – in einer anderen Weise viel förderlicher für das Kind unterstützen.
Die Achtsamkeit für die Bewegungsimpulse des Kindes, die volle Hinwendung zum Kind, Begrüßung über bzw. Begrenzung an den Füßen und ein Hochheben und Tragen, das für den Säugling angenehm ist… all das sind Dinge mit denen sich Kinaesthetics Infant Handling beschäftigt.

Wow, ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass der gestrige Beitrag von mir der bisher meist Gelesene und Geteilte werden würde. Ich schwanke gefühlsmäßig zwischen Freude und Trauer, weil das heißt, dass ich einen Nerv getroffen habe und vielen anderen auch nicht in dieser Prägnanz klar war, wie Bindung bei Kleinkindern entsteht.

Natürlich kennen viele Eltern den Vorwurf an Mütter, die „nicht loslassen“ können und es damit dem Kind schwer machen, aber dieser ist meist an die Forderung gekoppelt, das Kind weinend zurückzulassen und die Erzieher ihre Arbeit machen zu lassen.

Eine Leserin reagierte irritiert auf den massiven Beifall, den mein Artikel erhielt, weil dies doch selbstverständlich sein sollte. Die vielen Reaktionen zeigen mir jedoch, dass es das nach wie vor nicht ist.

Eine andere Leserin verstand mich so, als ob das artgerecht-Projekt Fremdbetreuung im Kindergarten befürworte – auch bei Kindern unter 3 Jahren. Sie fragte, ob das zu verantworten sei, mit dem hohen Krankheitsstand, der Personalfluktuation und der Tatsache, dass die Kinder ja eh nur eine begrenzte Zeit im Kindergarten bleiben, bevor sie in die Schule wechseln. Jemand, den man in den Clan aufgenommen habe, würde man ja nicht von einem auf den anderen Tag aus diesem verstoßen.

Eigentlich wollte ich mir ja heute einen Tag Pause gönnen, aber hierzu möchte ich doch Stellung beziehen.

Puh, ich bin ja froh, dass ihr meine Beiträge auch noch gerne lest, wenn ich soooo kurz davor bin, einfach mit dem Kopf auf die Tastatur zu fallen und etwas wie aölkfjaödlkjaölfg kjsölkgj zu schreiben. Aber das hätte ja auch wieder nur zu Folgeproblemen geführt. Welches Bild nähme man denn für einen derartigen Text?? ;-p

Heute war der letzte Tag der Grundausbildung. Am Freitag geht es mit dem Aufbaukurs weiter.

Am Vormittag ging es um das Thema „Betreuung“.

Wie -gefühlt- jeder Zweite in den Elterngruppen haben mein Sohn und ich hier auch eine schwierige Geschichte und alleine das Reden darüber berührt meinen Schmerz und mein immer noch vorhandenes schlechtes Gewissen, wie es damals gelaufen ist. Mein Sohn ging dort einfach niemals gern hin und es war Morgen für Morgen sehr schwer für uns beide.


Wie entwickeln Kleinkinder Vertrauen zu neuen Menschen?