Allgemein

Vor 34 Jahren wurde ich im St. Vinzenz-Hospital in Köln-Nippes geboren. Heute arbeite ich selbst dort auf der Wöchnerinnenstation.

Vorgestern wurde den Mitarbeitern der Geburtsabteilung bekannt gegeben, dass diese bis zum Ende des Jahres schließen wird. Darüber gab es schon lange Gerüchte; spätestens seitdem im Oktober 2016 die Gynäkologie des St. Vinzenz-Hospitals und des Heilig-Geist-Krankenhauses in Köln-Longerich zur Frauenklinik Köln-Nord zusammengelegt wurden und einen gemeinsamen medizinischen Leiter bekamen. Nun ist es also soweit.

Dieser Beitrag könnte nun ein Rührstück werden mit persönlichen Erinnerungen; der Dramatik der Nippeser Hebammen und auch Ärzte, die laut Geschäftsleitung nicht übernommen werden können, da im Heilig-Geist-Krankenhaus aktuell gar keine Stellen zu vergeben sind und nicht zuletzt der unfairen, unwürdigen Art und Weise, wie es den Mitarbeitern mitgeteilt wurde.

In der heutigen Mitarbeiterversammlung der Hebammen, waren wir uns aber einig, dass das, was von uns nach außen dringen soll, unsere große Sorge für die qualitativ hochwertige Versorgung von Müttern ist und unser Ärger über die katastrophalen politischen Fehlentscheidungen bezüglich Frauen und ihr Recht selbstbestimmt zu gebären und gut betreut zu werden.

Für meine artgerecht-Prüfung habe ich mich im letzten Beitrag dem frühen Durchschlafen von Säuglingen gewidmet. Über diesen Artikel wurde in einigen Gruppen rege diskutiert und ich darf nun meine Kompetenzen ausweiten, mit Gegenwind umzugehen. 😉

Da ich mich ja themenmäßig an dem Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ entlang hangele und dieses Buch per se nicht bedürfnisorientiert ist, ist der Sprengstoff quasi schon im Paket mit inbegriffen. Und da meine Aufgabe nicht ist, einfach alles scheiße zu finden, was die Autorin Pamela Druckerman so von sich gibt, sondern mich damit AUSEINANDER zu setzen, werde ich das auch weiterhin tun.

Allerdings möchte ich noch einmal klarstellen, dass es sich hier um MEINE Gedanken handelt und nicht um allgemeingültige Wahrheiten. Denn die gibt es meiner Ansicht nach sowieso nicht.

 

Die Haltung ist entscheidend (und von außen oft nicht erkennbar)

Letzte Woche habe ich mich im Rahmen meiner artgerecht-Prüfung mit den einleitenden Kapiteln des Buches „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ von Pamela Druckerman beschäftigt. Es ging hier um das Thema ‚Schwangerschaft und Geburt‘.

Im folgenden Kapitel beobachtet Druckerman, dass französische Babys schon mit 2-3 Monaten durchzuschlafen scheinen und macht sich auf die Suche nach Antworten, woran das liegen könnte.

Sie hört die Behauptung, dass Mütter ihren Kindern erst beibringen nachts im 2-Stunden-Rhythmus gestillt zu werden. Mit seinem Kind nachts wach zu bleiben, wird nicht als „elterliches Engagement“ gewertet.

Zumindest in Attachment Parenting-Kreisen ist „bedingungslos lieben“ ein oft gehörter Begriff. Viele Eltern möchten ihre Kinder gerne bedingungslos lieben.
Aber – ist das eigentlich möglich? Und heißt das, dass wir alles an unseren Kindern mögen müssen? Was macht „Bedingungslosigkeit“ aus? Und was eigentlich „Liebe“?15209068_1716432925340559_1433075389_n

Dazu gibt es heute einen Gastbeitrag von der wundervollen Denise Kock.
Sie hat die Gabe, Dinge sehr präzise in Worte zu fassen.
Bisher sträubt sie sich aber einen eigenen Blog zu schreiben und ich profitiere da heute von. 🙂

Wenn ich „frech“ war, wurde ich auf mein Zimmer geschickt und durfte erst wieder rauskommen, wenn ich „wieder lieb“ war.

Meine Eltern durften uns anschreien, wir sollten aber nett und höflich mit ihnen reden. Hielten wir uns nicht daran, mussten wir uns entschuldigen. Sie hingegen entschuldigten sich nicht. Denn wir hatten sie durch unser Verhalten zu ihrer Reaktion gezwungen und waren somit verantwortlich.

Hatten wir etwas angestellt, bekamen wir etwas auf den Po.
„Popoklatsche mit Ananas“ war ein häufiges Schlagwort und auch die Drohung, dass „bald andere Saiten aufgezogen werden würden“. Da immer mal wieder ein Kochlöffel zerbrach, bekam meine Mutter irgendwann von einer Verwandten einen riesigen Großküchen-Kochlöffel, der bestimmt nicht kaputt gehen würde. Mit diesem wurde auch gerne gedroht. Er kam allerdings nie zum Einsatz. Dennoch hatten wir natürlich Angst vor ihm.

oder  Wann komme endlich mal wieder Ich?

Hauptsächlich verantwortliches Elternteil von einem Kleinkind zu sein ist anstrengend.
Mütter von kleinen Kindern berichten immer wieder davon, dass diese ihnen Tag und Nacht am Körper kleben und keine andere Bezugsperson akzeptieren. Die Mütter sehnen sich nach einer kurzen Zeit nur für sich allein. Einer halben Stunde ungestört in der Badewanne z.B. oder mal ein ganzes Kapitel völlig versunken in einem Buch zu lesen. Sogar kochen ohne Unterbrechungen mit lauter Musik in der Küche kann eine absolute Erholung sein.

Und dann kommen diese erschöpften und verzweifelten Mütter und fragen: „Ab wann kann ich von meinem Kind verlangen, mal eine halbe Stunde bei seinem Papa zu bleiben?“ Oder bei der Oma oder einer anderen Bezugsperson.