Wie Ihr wisst, arbeite ich auf einer Wöchnerinnen-Station in einem kleinen Krankenhaus. Gestern hatte ich wieder einmal Spätdienst. Am Sonntag Nachmittag rennen uns die Besucher förmlich die Bude ein. Manchmal sind es an die zehn Besucher, die auf eine entbundene Mama kommen.

Danach sind die Mütter oft völlig erschöpft, die kleinen Babys sind ebenfalls drüber und beiden steht eine fürchterliche Nacht bevor. Außerdem gibt es oft vor lauter Geschenken keinen Zentimeter freien Platz mehr in den Zimmern. Und genau darum soll es heute gehen:

 

Was wünscht sich die frischgebackene Familie?

Diejenigen Besucher, die in Absprache mit der Familie kommen, meine ich ausdrücklich nicht. Aber es kommt gar nicht so selten vor, dass mir Mütter erzählen, dass sie gar nicht erst gefragt werden, ob sie Besuch möchtne oder dass ihre Wünsche nicht akzeptiert werden. Mütter, die sich am Nachmittag größtenteils im Stillzimmer aufhalten (obwohl ihnen das lange Sitzen aufgrund ihrer Verletzungen oft schwer fällt), weil sie nur da ihre Ruhe haben.
Aber auch, wenn die eine Wöchnerin sich viel Besuch wünscht und das mag: Es kann sein, dass es ihrer Zimmernachbarin ganz anders geht und dass diese sich einfach nur nach Stille sehnt.

Und dann die Geburtsgeschenke…

 

Geburtsgeschenke sind toll.

Geschenke sind eigentlich immer toll.

Jean-Jacques Rousseau und Françoise Dolto

In meinem letzten Artikel habe ich mich mit der französischen „Erziehung zur Geduld beschäftigt.

Die nächsten zwei Kapitel widmet Pamela Druckerman einer Rückschau zum Thema „Umgang mit Kindern“ und die „Entstehung des französischen Krippensystems“.
Sehr, sehr spannend.

Wer sich dafür interessiert, wie sich die Säuglingspflege und der Blick auf Säuglinge und Kinder in den letzten 300 Jahren in Deutschland verändert hat, dem kann ich nur wärmstens das Buch „Wenn Babys reden könnten“ des 2015 verstorbenen Kinderarztes Prof. Dr. med. Friedrich Manz ans Herz legen. Dieses Buch habe ich nach dem Lesen von Pamela Druckermans Kapitel sofort aus meinem Regal gezogen und lese mich nun schon wieder den ganzen Morgen in dem 650-Seiten-Werk fest.
Dabei bin ich darauf gestoßen, dass auch in Deutschland feste Fütterungszeiten (was ja Thema im letzten Beitrag war) bis vor gar nicht so langer Zeit als normal galten. Die Entwicklung in den Kinderkliniken hin zu „Füttern nach Bedarf“ dauerte bis Ende der 1980er Jahre. Allerdings galt das zu dem Zeitpunkt nur noch begrenzt für den privaten Raum. Und was Kliniken angeht wissen ja alle Eltern, die schon mal mit ihrem Kind in eine Kinderklinik mussten, wie hoffnungslos rückständig diese heute noch zumeist sind.

Aber zurück zum heutigen Thema. Wobei das wirklich nicht ganz leicht auszumachen ist. Es lässt sich am ehesten zusammenfassen mit:

 

Was sind die Eckpfeiler des französischen Erziehungsstils?

Für meine artgerecht-Prüfung habe ich mich im letzten Beitrag dem frühen Durchschlafen von Säuglingen gewidmet. Über diesen Artikel wurde in einigen Gruppen rege diskutiert und ich darf nun meine Kompetenzen ausweiten, mit Gegenwind umzugehen. 😉

Da ich mich ja themenmäßig an dem Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ entlang hangele und dieses Buch per se nicht bedürfnisorientiert ist, ist der Sprengstoff quasi schon im Paket mit inbegriffen. Und da meine Aufgabe nicht ist, einfach alles scheiße zu finden, was die Autorin Pamela Druckerman so von sich gibt, sondern mich damit AUSEINANDER zu setzen, werde ich das auch weiterhin tun.

Allerdings möchte ich noch einmal klarstellen, dass es sich hier um MEINE Gedanken handelt und nicht um allgemeingültige Wahrheiten. Denn die gibt es meiner Ansicht nach sowieso nicht.

 

Die Haltung ist entscheidend (und von außen oft nicht erkennbar)

Letzte Woche habe ich mich im Rahmen meiner artgerecht-Prüfung mit den einleitenden Kapiteln des Buches „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ von Pamela Druckerman beschäftigt. Es ging hier um das Thema ‚Schwangerschaft und Geburt‘.

Im folgenden Kapitel beobachtet Druckerman, dass französische Babys schon mit 2-3 Monaten durchzuschlafen scheinen und macht sich auf die Suche nach Antworten, woran das liegen könnte.

Sie hört die Behauptung, dass Mütter ihren Kindern erst beibringen nachts im 2-Stunden-Rhythmus gestillt zu werden. Mit seinem Kind nachts wach zu bleiben, wird nicht als „elterliches Engagement“ gewertet.

Wie einige sich vielleicht noch erinnern, habe ich in letztem Jahr eine Ausbildung zum artgerecht-Coach gemacht. (Wen das interessiert: Hier könnt ihr noch einmal von meinen verschiedenen Eindrücken lesen.)

Nun steht die Prüfung an, in der ich sehr viel schreiben und vor allem DENKEN muss. Ich habe mich entschieden Euch aus ressourcenschonenden Gründen blogtechnisch auf diese Reise mitzunehmen.

Die Aufgabe an die ich mich als Erstes wagen möchte, ist das Lesen eines Buches, das Gegenthesen vertritt und zu diesem quasi eine Gegendarstellung zu erstellen. Vorgeschlagen waren hier zum Beispiel Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“, natürlich Anette Kast-Zahns „Jedes Kind kann schlafen lernen“ oder Amy Chuas „Die Tigermutter“.

Zu allererst einmal erfreulich, dass diese Bücher alle nicht in „meiner“ Stadtteilbibliothek zu finden waren. Stattdessen unfassbar viele Bücher von Jesper Juul, Herbert Renz-Polster, Katia Saalfrank und so weiter. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Sehr prominent war „Schlaf gut, Baby“ ausgestellt. „Jedes Kind kann schlafen lernen“ fand ich völlig falsch eingeräumt bei den Büchern zum Thema Pubertät und habe es dort einfach mal gelassen. 😉

Entschieden habe ich mich dann für das Buch der amerikanischen Autorin Pamela Druckerman „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“. Da hat mich schon der Titel geärgert. Ist immer eine gute Voraussetzung um auch die Energie aufzubringen, das Buch zu lesen und auseinander zu pflücken.

Zu meiner großen Überraschung finde ich das Buch aber bisher sogar amüsant und es stößt mich auf einige interessante Denkanstöße, die ich nicht erwartet hatte. Auch wenn ich an vielen Stellen zu völlig anderen Schlussfolgerungen komme und das Buch mitsamt seinen Ratschlägen niemals empfehlen würde.

Als ich letzte Woche darüber schrieb, wie ich zum Thema Medien stehe, erhielt ich viele positive, einige nachdenkliche und nur wenige kritische Rückmeldungen. Viele Eltern befassen sich mit dem Thema – die meisten vermutlich wie ich zwangsweise, weil das mit der Regulation der Kinder nicht so einfach ist, wie man sich das mal vorgestellt hat, bevor man Kinder hatte.
Wie ja so ziemlich alles.
Viele suchen nach ihrem Weg… auf einige passt der Begriff „ringen“ vielleicht sogar besser. Und eine Mutter bat mich, doch einmal zu schreiben, wie ich das „geschafft“ hätte, meinem Kind so zu vertrauen.

Ja, und da kaue ich jetzt seit dem drauf herum.

 

HABE ich es geschafft? Habe ICH es geschafft? Habe ich es GESCHAFFT?

Medienkonsum versus Medienkompetenz

Um es vorab zu sagen: Dieser Artikel gibt meine Meinung und meine persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema wieder. Er deckt sich nicht mit den gängigen Lehrmeinungen. Und somit ist er auch keine Empfehlung, sondern lediglich ein kritischer Beitrag der eventuell dabei hilft seine eigene Wahrheit zu finden.

Der Umgang mit Medien scheint für viele Eltern angstbesetzt zu sein. Jetzt passiert ja jede Form von geplanter Erziehung aus der Motivation der Angst und ist somit vertraute Haltung – uns selbst und unseren Kindern gegenüber.

Bei Attachment Parenting spielen jedoch Vertrauen in uns und unser Kind eine zentrale Rolle. Zutrauen darin, dass unsere Kinder ihre eigene Wahrheit finden werden, ihre eigenen Maßstäbe. In dem sie unsere elterlichen Maßstäbe kennen lernen, von unseren Gefühlen oder Meinungen zu bestimmten Dingen erfahren und einen Rahmen erfahren, sich selbst auszuprobieren und herauszufinden, welchen Weg sie selbst einschlagen möchten.

Von daher habe ich früh gemerkt, dass der von Experten vorgeschlagene Weg für mich in der Beziehung mit meinem Sohn und für das, was ich mir für ihn wünsche, nicht hilfreich ist.

Die vorherrschende Meinung von Experten ist ja, dass PC und Fernsehen Zeit rauben, die unsere Kinder sinnvollerweise für etwas anderes verwenden könnten.

 

Alles „raubt“ Zeit.

Fairerweise muss man aber natürlich sagen, dass dies für jede Beschäftigung der Welt gilt.

In meinem letzten Artikel über die Abgrenzung von den eigenen Eltern habe ich beschrieben, wie das eigene verletzte Kind immer mit diskutiert und gleichermaßen die Verantwortung (NICHT Schuld oder Versagen!) für unversöhnliche Auseinandersetzungen trägt. Wir können unsere Eltern nicht ändern (auch wenn es das für uns so viel einfacher und angenehmer im besten aller Sinne machen würde), aber wir können Verantwortung für unsere Haltung unseren Eltern gegenüber übernehmen und eine erwachsene Position einnehmen.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

Eine Mutter ist bei ihren Eltern zu Besuch. Das Baby auf ihrem Arm lässt sich aufgrund der ungewohnten Umgebung nicht in den Schlaf tragen oder stillen. Die Eltern (oder ein Elternteil) schauen sich das eine Zeit lang an und schlagen dann vor, dass die Mutter das Kind ins Gästebett legen soll und sich ausweinen lassen solle. Vielleicht kommt auch noch ein Hinweis, dass sie das Baby sowieso „total verwöhnen“.

Wenn das verletzte innere Kind der Mutter nun mit einsteigt, dann wird eine harte Abwehrreaktion erfolgen. Etwas wie: „Das ist ja unmenschlich! Habt ihr bei mir nicht genügend angerichtet? Es hat schlimme seelische Folgen ein Kind in Not alleine zu lassen! Haltet euch da raus! Mit euren veralteten, grausamen Erziehungsmethoden möchte ich nichts zu tun haben!“

Damit macht man in wenigen Sätzen klar:

 

„So, wie ihr es gemacht habt, war es falsch.“

Und: Ihr habt hier nichts zu kamellen. Euer Rat ist nicht erwünscht.