21:24 Uhr.

Ich bin gerade nach Hause gekommen, da ich (kinderfrei und völlig ohne Verpflichtungen – yeah!) noch mit einigen Frauen vom Kurs Essen gegangen bin.

Deshalb wird der Rückblick heute nur sehr kurz.

Heute ging es um drei Themenbereiche:

Oben rein = Stillen

Unten raus = Windelfrei bzw. Ausscheidungskommunikation

Schlafen


Wider die Perfektion

Der wichtigste Punkt in den Beratungen scheint immer zu sein, den Müttern den (Perfektions-)druck zu nehmen, den sie sich selbst auferlegen.

Dieser kann beim Stillen für eine unzureichende Milchbildung sorgen, da das Stresshormon Adrenalin die Hormonrezeptoren blockiert. Vereinfacht gesagt: Is‘ nüscht mit Oxytocin und Prolaktion.

Ebenfalls kann er bei einer Entscheidung für Windelfrei dazu führen, dass die Mütter (ich weiß, es ist gemein, immer über die Mütter zu schreiben, aber es sind eben in den wenigsten Fällen Väter, die – in diesem Bereich – einen so starken Druck haben, alles richtig zu machen) überhaupt nicht mehr schlafen, weil sich alles nur noch ums Abhalten dreht und darum, ja kein Signal zu verpassen. Und das am besten noch ohne BackUp-Windel.

Alle drei Themen haben übrigens eines gemeinsam: Loslassen.

Frauen müssen die Milch loslassen, wir alle müssen unsere Ausscheidungen loslassen und wir alle müssen jeden Abend loslassen, um einschlafen zu können.

Na, und wo wir gerade beim Schlafen sind:


Die Einschlaf“hilfen“, die wir unseren Babys geben, sind oft kontraproduktiv

Nicola Schmidt hat uns sehr eindrücklich an uns selbst ausprobieren lassen, inwiefern eifriges Zureden inklusive Blickkontakt und schnelles Schaukeln NICHT dazu beiträgt, dass man sich sicher und entspannt genug fühlt, um einschlafen zu können. Das also, was wir mit einem übermüdetem Kind machen, das schreit – gerade wenn wir angespannt sind – trägt nicht dazu bei, das wir unserem Ziel näher kommen. Gleichmäßige, langsam schaukelnde Bewegungen, kein Blickkontakt (nicht im Sinne von ignorieren, aber im Sinne von nicht extra Bezug aufs Kind nehmen oder das Kind auf den Rücken binden), eventuell monoton vor sich hinmurmeln oder ein mantraartiges Lied singen/summen sind viel eher hilfreich, wenn man ein Kind beruhigen möchte. Auch hat Nicola Schmidt ein sehr cooles Bild verwendet, um zu beschreiben, was passiert, wenn man die Müdigkeitsanzeichen des Kindes verpasst: Etwa alle 50 Minuten gibt es ein Fenster für den Schlaf bei Kindern. Verpasst man diesen Moment ist es etwa so, als wenn ein Flugzeug im Landeanflug keine Landefreigabe erhält: Es muss wieder nach oben steigen und dann – wenn es eine Landefreigabe erhält – die Landung noch einmal von vorn beginnen.

Im Grunde geht es also immer um eine gute Kommunikation und eine möglichst schnelle Bedürfnisbefriedigung. Ein Kind dessen frühe Hungerzeichen ignoriert werden, ist hinterher sehr viel schwieriger an die Brust zu kriegen und die Gefahr für wunde Brustwarzen durch unsachgemäßes, zu heftiges An- und Abdocken steigt. Ein Kind, das ich nicht dann in den Schlaf begleite, wenn es müde ist, dreht noch mal richtig auf und ÜBERdreht einfach bei fortgeschrittenem Schlafmangel.


Meine Beratungs-Blitzlichter zum Thema „Schlafen“

So, und damit ich das gleich nicht extra machen muss, mache ich nun einfach mit euch meine Hausaufgabe.

Wenn ich in drei Sätzen zum Thema „Schlafen“ sagen müsste, was mir wichtig ist – welche wären das?

„Finde heraus, was dir und deinem Kind gut tut und ignoriere alle, die ihren Senf dazugeben wollen.“

„Wenn du gerne etwas schwarz auf weiß haben möchtest, um deine Unsicherheit loszuwerden, dann lies die Bücher von Herbert Renz-Polster oder Sybille Lüpold zum Thema Babyschlaf.“

„Kein Mensch ist oder wird unselbständig, weil er gerne mit jemandem, den er liebhat, aneinander gekuschelt schläft, sonst müssten wir sicherheitshalber alle getrennt von unseren Lebenspartnern schlafen.“


Individuelle Lösungen

Bei vielen Wegen, von denen Familien einem erzählen, schüttelt man innerlich den Kopf, aber das einzig Relevante ist, ob sich etwas für EURE Familie richtig anfühlt und zwar für die Großen und für die Kleinen.

Für meinen acht-jährigen Sohn und mich ist es seit Jahren die „Wandermatratze“. Ich bringe ihn nicht ins Bett. Er schläft dort ein, wo ich bin. Und wenn ich ins Bett gehe, dann nehme ich ihn mit in unser gemeinsames Bett. Vermutlich würde es ihm mittlerweile nicht mehr so viel ausmachen, wenn ich ihn einfach auf der Wandermatratze liegen ließe. Wäre dies eine meiner Grenzen, wäre die für ihn schon seit einiger Zeit relativ problemlos akzeptierbar. Aber er findet es bei mir am schönsten und ich genieße es auch so sehr mit ihm.

Für eine Familie, die aus mehr als zwei Familienmitgliedern besteht, kommt so ein Weg vielleicht gar nicht in Frage. Zwei oder mehr Kinder in den Schlaf zu begleiten, ist eine ganz andere Hausnummer als eines. Und das persönliche Temperament eines jeden Kindes (und Erwachsenen) spielt ja nun auch noch eine große Rolle.

Von daher geht es in der Beratung darum, alle beeinflussenden Faktoren in den Blick zu nehmen und mit der Familie herauszufinden, was sie braucht, damit es ihr wieder besser geht.

Apropos „besser gehen“: Ich muss unbedingt ins Bett. Es geht einfach nichts mehr.


Gute Nacht allerseits!

Mein persönliches Highlight heute war übrigens ganz unabhängig von der artgerecht-Ausbildung. Ich bekam eine WhatsApp von meinem Sohn, der gerade mit meiner Schwester und meiner Mama in Holland ist. Dazu muss man wissen, dass mein Sohn nicht so der Kommunikationsmensch ist und weder gerne telefoniert noch schreibt.

Er schrieb mir: „Hallo du mir ges gut und wi get es dir und hat du schon neue pokemon? Ich Libe dich. Und du solst mich anrufen.“

Und mit diesem wohligen Gefühl gehe ich nun ins Bett.

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Ich freue mich auf Sie!

 


 

Natascha Makoschey (33) hat einen 8-jährigen Sohn und arbeitet als Kinderkrankenschwester in der Geburtshilfe. Wenn sie nicht gerade Bücher liest, zwangsweise Uno spielt oder darüber nachdenken muss, welchen Pokémon sie am liebsten mag, dann quatscht, strickt oder singt sie.

    4 Comments

  1. Jana - unerzogen betreut

    Antworten

    Na ich hoffe, du hast gleich angerufen 🙂
    Danke, dass du weiter berichtest. Es klingt alles so einfach und sinnvoll, was du von der Ausbildung schreibst. Nur im wahren Leben mit all seinen Verstrickungen und dem Druck (!) wird es dann oft ganz schön schwierig. Schön, wenn du dann in Zukunft Familien weiterhelfen kannst.

    • Natascha Makoschey

      Klar, das habe ich sofort gemacht!!! <3
      Natürlich gibt es im echten Leben viele Verstrickungen. Die Eltern hören, ihren Sorgen Raum geben, sie überlegen zu lassen, was sie brauchen, sie emotional zu entlasten... das ist dann meine Aufgabe. Und ich freue mich sehr darauf!

  2. Marianne

    Antworten

    Liebe Natasche, lese deine wunderbaren Berichte und fühle mich sofort nach Köln zurückversetzt! Danke dafür! Liebe Grüße, Marianne

  3. Pingback: Meine Artgerecht-Ausbildung – der erste Tag – Familienbegleitung Köln